Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Therapieoption erweitert: Finerenon bei CKD ohne Diabetes

Aktuelle Studien untersuchten, ob Finerenon das Fortschreiten chronischer Nierenerkrankungen (CKD) verlangsamen kann, auch bei Nichtdiabetiker:innen.

Auf dem ERA‑Kongress in Glasgow vorgestellte Phase‑III‑Daten zeigen, dass der nicht‑steroidale, selektive Mineralokortikoidrezeptor‑Antagonist (MRA) Finerenon auch bei Patient:innen ohne Diabetes mellitus das Fortschreiten einer chronischen Niereninsuffizienz (CKD) signifikant verlangsamt.

Pathophysiologisch trägt die Überaktivierung des Mineralokortikoidrezeptors durch Förderung von Natrium- und Flüssigkeitsretention sowie durch Aktivierung proinflammatorischer und profibrotischer Signalwege wesentlich zur Progression der CKD bei. Steroidale MRAs wie Spironolacton sind jedoch aufgrund hormoneller Nebenwirkungen, darunter Gynäkomastie und Menstruationsstörungen, sowie eines erhöhten Hyperkaliämierisikos klinisch limitiert.

Finerenon weist als nicht‑steroidaler MRA ein günstigeres Verträglichkeitsprofil auf. Nach der Zulassung für Patient:innen mit CKD und Typ‑2‑Diabetes auf Basis der Studien FIDELIO‑DKD und FIGARO‑DKD wurde die Wirksamkeit bei Nichtdiabetikern nun in der Phase‑III‑Studie FIND‑CKD untersucht. In diese Studie wurden 1.584 Teilnehmende mit einem mittleren Alter von 54,7 Jahren eingeschlossen, deren geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) im Mittel bei 46,7 ml/min/1,73 m2 lag und die eine ausgeprägte Albuminurie (Albumin‑Kreatinin‑Quotient etwa 819 mg/g) aufwiesen. Nahezu alle Patient:innen (99,7 %) erhielten eine RAAS‑Hemmer, und 17 % wurden zusätzlich mit einem SGLT2‑Hemmer behandelt. Die Randomisierung erfolgte auf Finerenon oder Placebo. Primärer Endpunkt war die Verlangsamung der Veränderung des eGFR‑Slopes.

Nach einer medianen Beobachtungszeit von 32 Monaten zeigte sich in der Placebogruppe ein jährlicher eGFR‑Abfall von 4,0 ml/min/1,73 m2, während dieser unter Finerenon bei 3,3 ml/min/1,73 m2 lag. Die Differenz von 0,7 ml/min/1,73 m2 war statistisch signifikant und belegt eine Verlangsamung der Nierenfunktionsverschlechterung.

Auch bei den sekundären Endpunkten ergaben sich Vorteile zugunsten von Finerenon. Der kombinierte renale und kardiovaskuläre Endpunkt trat bei 13,9 % der Behandelten gegenüber 16,9 % unter Placebo auf. Für den Endpunkt aus ≥57 % eGFR‑Verlust oder Nierenversagen ergab sich eine HR von 0,78, während die Kombination aus Hospitalisierung wegen Herzinsuffizienz oder kardiovaskulärem Tod eine HR von 0,60 zeigte.

Das Sicherheitsprofil war insgesamt günstig, wenngleich erwartungsgemäß häufiger Hyperkaliämien auftraten (17,0 % unter Finerenon vs. 13,3 % unter Placebo). Therapieabbrüche aufgrund von Hyperkaliämie waren selten (1,5 % vs. 0,1 %), ebenso wie hospitalisationspflichtige Ereignisse (0,9 % vs. 0,6 %), sodass das Risiko als klinisch handhabbar einzustufen ist.

In einer präspezifizierten Subgruppenanalyse von 903 Patient:innen mit Glomerulonephritis bestätigten sich die renalen Vorteile. Die Differenz im eGFR‑Slope betrug 0,73 ml/min/1,73 m2 pro Jahr. Zudem reduzierte Finerenon die Albuminurie um 42 % und senkte das Risiko für den kombinierten Nierenendpunkt (ESRD oder ≥40 % eGFR‑Abfall) mit einer HR von 0,74.

Die Ergebnisse werden durch die INFINITY‑Meta‑Analyse untermauert, in der Daten aus FIDELIO‑DKD, FIGARO‑DKD und FIND‑CKD mit insgesamt 14.574 Teilnehmenden zusammengeführt wurden. Dabei reduzierte Finerenon das Risiko für Nierenversagen signifikant sowie die Dialysepflicht. Auch kardiovaskuläre Ereignisse wurden reduziert, einschließlich Hospitalisierungen wegen Herzinsuffizienz, kardiovaskulärer Todesfälle und Gesamtmortalität.

Die Ergebnisse unterstützen eine mögliche Erweiterung der Zulassung über Patient:innen mit Typ‑2‑Diabetes hinaus.