Die Ergebnisse der neuen Studie wurden im Rahmen des europäischen Rheumatologiekongresses (EULAR) in London präsentiert.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde erkannt, dass verschiedene Erkrankungen mit Manifestationen in unterschiedlichen Organen trotz heterogener Klinik gemeinsame histopathologische Merkmale aufweisen. Ein verbindendes Charakteristikum ist eine erhöhte Serumkonzentration von IgG4. Diese Antikörper lassen sich zudem in den häufig tumorähnlichen fibrotischen Läsionen nachweisen. 2010 wurde hierfür der Begriff der IgG4-assoziierten Erkrankungen (IgG4-RD) etabliert, verbunden mit der Erwartung, gezielte therapeutische Strategien zur Hemmung der IgG4-Produktion entwickeln zu können.
Therapeutisch standen lange Zeit primär Glukokortikoide zur Verfügung. Diese wirken unspezifisch immunsuppressiv und sind aufgrund ihres Nebenwirkungsprofils nicht zur Dauertherapie geeignet. Zwar lassen sich akute Schübe effektiv kontrollieren, jedoch kommt es nach Absetzen bei 30–60 % der Patient:innen innerhalb weniger Monate zu Rezidiven.
Da IgG4 von B-Zellen produziert werden, wurden B‑Zell-depletierende Therapien wie Rituximab (anti-CD20) und Inebilizumab (anti-CD19) eingesetzt. Die anhaltende B‑Zell-Depletion ist jedoch mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden und kann die Impfantwort beeinträchtigen.
Ein neuer Ansatz ist der bispezifische Antikörper Obexelimab, der gleichzeitig an CD19 und FcγRIIb bindet. Dies führt zu einer funktionellen Inaktivierung der B‑Zellen ohne deren Depletion, nach Absetzen gilt dieser Effekt als reversibel. Ein weiterer Vorteil ist die subkutane Applikation im Gegensatz zu den intravenös zu verabreichenden B‑Zell-depletierenden Antikörpern.
In die Phase-III-Studie INDIGO wurden 194 Patient:innen (mittleres Alter 59,1 Jahre; ca. zwei Drittel männlich) eingeschlossen, bei denen in 93,3 % der Fälle eine Multiorganbeteiligung (≥2 Organe) vorlag, insbesondere der Speichel- und Tränendrüsen, des Pankreas sowie der Lymphknoten.
Nach initialer Glukokortikoidtherapie zur Remissionsinduktion und parallelem Ausschleichen erhielten die Studienteilnehmenden randomisiert wöchentliche subkutane Injektionen von Obexelimab oder Placebo.
Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Rezidiv. Innerhalb von 52 Wochen trat ein Krankheitsschub unter Obexelimab bei 26,6 % der Patient:innen auf, verglichen mit 54,6 % unter Placebo. Auch in den sekundären Endpunkten zeigte sich eine Überlegenheit von Obexelimab. Die Rate kompletter Remissionen stieg von 19,6 % auf 37,1 %, und die kumulative Glukokortikoid-Rescue-Dosis konnte von 929,8 mg auf 329,5 mg reduziert werden.
Das Sicherheitsprofil war günstig. Schwere unerwünschte Ereignisse (Grad 3) traten unter Obexelimab mit 11,3 % seltener auf als unter Placebo (23,7 %). Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Arthralgien, Überempfindlichkeitsreaktionen und Diarrhö. Eine erhöhte Infektionsrate wurde nicht beobachtet (2,1 % vs. 4,1 %).
Die CD20-positiven B‑Zellen nahmen initial leicht ab, verblieben jedoch im weiteren Verlauf oberhalb der unteren Referenzgrenze (74/µl). Die IgG4-Serumspiegel blieben nach Absetzen der Glukokortikoide niedrig, während sie im Placebo-Arm wieder anstiegen.
Die Zulassung von Obexelimab wurde in den USA bereits beantragt; ein entsprechendes Verfahren in Europa ist zu erwarten.