Für die neue Studie wurden rund 3.000 im Jahr 2024 in Österreich gesammelte Zecken, etwa 2.000 archivierte Zeckenproben aus dem Zeitraum 2005–2018 sowie rund 2.000 humane Blutproben mittels molekularbiologischer und serologischer Verfahren analysiert. Die Daten zeigen, dass das Alongshan-Virus (ALSV) seit mindestens zwei Jahrzehnten in österreichischen Zeckenpopulationen zirkuliert.
ALSV konnte in Zecken aus mehreren Bundesländern (Wien, Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Vorarlberg) nachgewiesen werden, was auf eine breite geographische Verbreitung hinweist. In den untersuchten Patient:innenproben erfolgte kein direkter Virusnachweis, jedoch wurden bei zwei Personen hohe ALSV-spezifische Antikörpertiter festgestellt, was auf eine überstandene Infektion hindeutet.
Zeckenübertragene Virusinfektionen stellen weltweit ein zunehmendes Public-Health-Problem dar. Etablierte Erreger wie das FSME-Virus oder das Krim-Kongo-Hämorrhagische-Fieber-Virus verursachen jährlich zahlreiche Infektionen. In den letzten Jahren wurden zudem mehrere neue Arboviren identifiziert, darunter das Alongshan-Virus, das erstmals 2017 in China im Zusammenhang mit fieberhaften Erkrankungen beschrieben wurde. Inzwischen liegen Nachweise aus mehreren europäischen Ländern vor, darunter Deutschland, Finnland, Frankreich und der Schweiz.
Während die ursprünglich beschriebene asiatische Variante mit fieberhaften und FSME-ähnlichen Krankheitsbildern assoziiert ist, bleibt die klinische Relevanz der in Europa zirkulierenden Varianten derzeit unklar. Weitere groß angelegte Studien sind erforderlich, um Pathogenität, Prävalenz und Krankheitslast zu bestimmen.
Vor dem Hintergrund der nachgewiesenen Zirkulation erscheint eine Berücksichtigung von ALSV in Überwachungsprogrammen für vektorübertragene Erkrankungen in Österreich sowie in der differenzialdiagnostischen Abklärung unklarer fieberhafter Syndrome nach Zeckenexposition sinnvoll.