"Wir leben in einer Welt, in der selbst das richtige Begrüßen schon verrückt geworden ist", begann Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller seinen Eröffnungsvortrag beim Menopausekongress 2025 in Wien, anspielend auf die heute vielfach geforderte geschlechtergerechte Sprache. Schon im nächsten Satz stellte er allerdings klar, dass er den Begriff "verrückt" nicht abwertend verwende. "Ich mag diesen Ausdruck sogar. Er trifft psychopathologisch gesehen oft die Sache erstaunlich gut." Prof. Haller verwies darauf, dass der Begriff auch positive Konnotationen habe – von "verrückt verliebt" bis zur "verrückten Freude". Diese Ambivalenz, so der renommierte Psychiater und Gerichtsmediziner, sei ein guter Ausgangspunkt, um die mentalen Belastungen unserer modernen Zeit zu verstehen.
In jüngerer Zeit auffällig sei die Zunahme emotionaler Unausgeglichenheit: Die Geschwindigkeit gesellschaftlicher Veränderungen, die Unsicherheiten der Post-Pandemie-Zeit, weltpolitische Konflikte, wirtschaftliche Sorgen und ökologische Ängste ergeben Prof. Haller zufolge einen "Cocktail chronischer Verunsicherung". Menschen reagieren empfindlicher, geraten schneller aus der Balance und fühlen sich häufiger erschöpft.