Künstliche Süßungsmittel werden häufig als Alternative zu Zucker eingesetzt. Xylit ist ein Zuckeralkohol, der als Nebenprodukt des Glukosestoffwechsels endogen gebildet wird und in geringen Mengen natürlicherweise in verschiedenen Lebensmitteln vorkommt. Darüber hinaus wird Xylit Lebensmitteln, Getränken und Mundpflegeprodukten als Süßungsmittel zugesetzt, teilweise in 1.000-fach höheren Konzentrationen als im natürlichen Vorkommen. Die langfristigen Auswirkungen erhöhter Xylitspiegel auf das kardiovaskuläre Risiko sind bislang jedoch nur unzureichend untersucht.
Frühere Untersuchungen deuteten darauf hin, dass Xylit die Thrombozytenaktivität und damit die Thrombusbildung fördern kann. Zudem wurde bei Hochrisikopatient:innen ein Zusammenhang zwischen erhöhten Xylitspiegeln und dem Auftreten kardiovaskulärer Ereignisse innerhalb von drei Jahren beobachtet. Ziel der aktuellen Analyse war es daher, den Zusammenhang zwischen Xylitspiegeln und dem Risiko schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse in einer größeren Bevölkerungsstichprobe über längere Beobachtungszeiträume zu untersuchen.
Die Auswertung umfasste Daten von 17.710 Teilnehmer:innen aus zwei prospektiven Beobachtungskohorten, der Canadian Longitudinal Study on Aging (CLSA) und der European Prospective Investigation into Cancer (EPIC)-Norfolk.
Personen mit Xylitspiegeln im höchsten Quartil hatten ein signifikant höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse als Personen im niedrigsten Quartil. Der kombinierte Endpunkt umfasste Gesamtmortalität, Myokardinfarkt und Schlaganfall.
In der CLSA-Kohorte war das Risiko für ein schwerwiegendes kardiovaskuläres Ereignis während der sechsjährigen Nachbeobachtung bei Teilnehmer:innen im höchsten Xylitquartil um 57 % erhöht. Der Zusammenhang blieb auch nach Adjustierung für etablierte kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht, Raucherstatus, Diabetes mellitus, arterielle Hypertonie und Lipidwerte bestehen. In der EPIC-Norfolk-Kohorte zeigte sich über einen Beobachtungszeitraum von 30 Jahren bei Teilnehmer:innen im höchsten Quartil ein um 18 % erhöhtes Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse im Vergleich zum niedrigsten Quartil. Die Analyse aller Quartile sprach zudem für eine dosisabhängige Assoziation. Mit steigenden Xylitspiegeln nahm die Rate kardiovaskulärer Ereignisse kontinuierlich zu.
Die vorliegenden Ergebnisse sprechen für einen möglichen Zusammenhang zwischen erhöhten Xylitspiegeln und einem langfristig erhöhten Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse. Aufgrund des beobachtenden Studiendesigns kann jedoch keine Kausalität abgeleitet werden. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Verwendung von Xylit in Lebensmitteln und Konsumgütern sowie seiner bisher als sicher geltenden Einstufung durch Zulassungsbehörden sind weitere Untersuchungen zur kardiovaskulären Sicherheit des Süßungsmittels erforderlich.