Seit der ersten Baveno-Konsensuskonferenz im Jahr 1990 werden etwa alle fünf Jahre internationale Expert:innen zusammengeführt, um die Evidenzlage zu portaler Hypertension und fortgeschrittenen chronischen Lebererkrankungen zu bewerten und daraus praxisrelevante Empfehlungen abzuleiten. Die Baveno-Konsense haben die Diagnostik und Therapie der Leberzirrhose in den vergangenen Jahrzehnten maßgeblich geprägt.
An Baveno VIII waren 84 Expert:innen aus aller Welt beteiligt. In neun Arbeitsgruppen wurden die seit Baveno VII publizierten Erkenntnisse systematisch aufgearbeitet. Daraus entstanden 272 Konsensusstatements und Empfehlungen sowie eine Forschungsagenda mit 153 prioritären Fragestellungen.
Ein zentraler Schwerpunkt von Baveno VIII ist die Weiterentwicklung der nicht-invasiven Risikostratifizierung. Blutbasierte Biomarker und bildgebende Verfahren, insbesondere die Lebersteifigkeitsmessung, sollen dazu beitragen, Patient:innen mit fortgeschrittener Lebererkrankung oder klinisch signifikanter portaler Hypertension frühzeitig zu identifizieren. Gleichzeitig rückt die Vorhersage schwerwiegender Komplikationen stärker in den Fokus, um präventive Therapien gezielter und früher einsetzen zu können.
Verbesserte nicht-invasive Verfahren ermöglichen eine differenziertere Risikobewertung und fördern die Umsetzung präzisionsmedizinischer Konzepte in der klinischen Praxis. Bei Hochrisikopatient:innen kann eine Therapie mit Carvedilol das Auftreten schwerwiegender Komplikationen verhindern.
Weitere Neuerungen betreffen aktualisierte Empfehlungen zur Behandlung von Ösophagusvarizenblutungen, Aszites und anderen Komplikationen der portalen Hypertension sowie zum Einsatz des transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS). Zudem wurden die Kriterien für die Rekompensation weiterentwickelt. Erstmals enthält der Konsensus auch spezifische Empfehlungen für pädiatrische Patient:innen sowie Aussagen zu seltenen vaskulären Lebererkrankungen.
Während frühere Baveno-Konsense vor allem die Behandlung von Blutungskomplikationen adressierten, steht heute die Prävention im Vordergrund. Durch eine präzisere Risikostratifizierung sollen Hochrisikopatient:innen früher behandelt und unnötige, teils invasive Untersuchungen bei Niedrigrisikopatient:innen vermieden werden. Dies könnte dazu beitragen, Hospitalisierungen und Mortalität zu reduzieren sowie Ressourcen im Gesundheitssystem gezielter einzusetzen.