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Ärzt:in Assistenz 2026

Statine bei über 75-Jährigen: Ist eine Fortführung immer nötig?

Sollten über 75-Jährige ohne vorausgegangenen Herzinfarkt oder Schlaganfall ihre Statintherapie fortführen? Neue Studiendaten zeigen, dass ein Absetzen unter bestimmten Voraussetzungen nicht mit einer höheren Sterblichkeit verbunden war.

Statine zählen zu den am häufigsten verordneten Medikamenten zur Prävention kardiovaskulärer Ereignisse. Ob Patient:innen ab 75 Jahren ohne bekannte atherosklerotische Herz-Kreislauf-Erkrankung (ASCVD) langfristig von einer Statintherapie zur Primärprävention profitieren, ist bislang jedoch nicht abschließend geklärt.

Neue Daten liefert die randomisierte SAGA/SITE-Studie. Demnach war das Absetzen einer bestehenden Statintherapie bei Personen ab 75 Jahren, die Statine ausschließlich zur Primärprävention erhielten, hinsichtlich der Gesamtmortalität nach drei Jahren einer Fortführung der Behandlung nicht unterlegen.

In die multizentrische, offene, randomisierte Nichtunterlegenheitsstudie wurden Patient:innen im Alter von mindestens 75 Jahren eingeschlossen, die seit mindestens einem Jahr ein Statin zur Primärprävention einnahmen und keine ASCVD in der Vorgeschichte aufwiesen. Die Studie wurde in 297 allgemeinmedizinischen Praxen in Frankreich durchgeführt. Insgesamt konnten die Daten von 1.160 Personen ausgewertet werden. Die Teilnehmer:innen wurden randomisiert entweder einer Fortführungsgruppe oder einer Absetzgruppe zugeteilt. Die Nachbeobachtungszeit betrug 36 Monate.

Primärer Endpunkt war die Gesamtmortalität nach drei Jahren. In der Fortführungsgruppe starben 48 von 604 Personen (7,9 %), in der Absetzgruppe 35 von 484 Personen (7,2 %). Damit ergab sich kein Hinweis darauf, dass das Absetzen der Statintherapie in dieser Population innerhalb des Beobachtungszeitraums mit einer erhöhten Gesamtsterblichkeit verbunden war. Auch bei den sekundären Endpunkten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studienarmen. Unerwünschte Ereignisse wurden bei 73,1 % der Teilnehmer:innen in der Fortführungsgruppe und bei 74,0 % in der Absetzgruppe dokumentiert.

Die Ergebnisse sollten jedoch nicht dahingehend interpretiert werden, dass Statine bei allen Menschen ab 75 Jahren generell abgesetzt werden können. Die Studienpopulation umfasste ausschließlich Personen ohne bekannte ASCVD, die Statine zur Primärprävention erhielten. Eine Übertragung der Ergebnisse auf Patient:innen in der Sekundärprävention, beispielsweise nach Myokardinfarkt oder Schlaganfall, ist daher nicht möglich.

Nach Einschätzung der Autor:innen können die Studiendaten die individualisierte Therapieentscheidung unterstützen. Bei älteren Menschen ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung sollte die Fortführung einer Statintherapie unter Berücksichtigung des klinischen Gesamtzustands, des individuellen kardiovaskulären Risikos, möglicher Polypharmazie sowie der Präferenzen der Betroffenen gemeinsam entschieden werden.