Mehr als 3,4 Milliarden Menschen weltweit sind von neurologischen Erkrankungen betroffen. Auch in Österreich lebt bereits nahezu jede zweite Person mit einer neurologischen Erkrankung. Vor diesem Hintergrund fordert die neue Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie (ÖGN), Prim.a Priv.-Doz.in Dr.in Julia Ferrari, Leiterin der Abteilung für Neurologie, Neurologische Rehabilitation und Akutgeriatrie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien: "Gehirngesundheit muss zur gesundheitspolitischen Priorität werden. Angesichts der steigenden Zahlen auch in Österreich braucht es dringend entsprechende Maßnahmen. Investitionen in die Gehirngesundheit sind Investitionen in die Zukunft unserer Gesellschaft."
Neurologische Erkrankungen verursachen mittlerweile rund 60 % der weltweiten Krankheitslast. Dazu zählen unter anderem Schlaganfall, Demenzerkrankungen, Morbus Parkinson, Epilepsie, Multiple Sklerose, Migräne sowie periphere Neuropathien. Aufgrund der demografischen Entwicklung wird bis 2050 mit einem deutlichen Anstieg der neurologischen Krankheitslast gerechnet. Besonders betroffen sind Demenz- und Parkinson-Erkrankungen sowie die langfristigen Folgen von Schlaganfällen. Auch die Zahl der Neuropathien wird Prognosen zufolge erheblich zunehmen. Ein relevanter Teil davon entfällt auf diabetische Neuropathien, deren Auftreten durch wirksame Diabetesprävention und eine optimale Blutzuckerkontrolle reduziert werden könnte.
Anlässlich des World Brain Day am 22. Juli macht die ÖGN daher auf die zunehmende Bedeutung der Gehirngesundheit aufmerksam und spricht sich für verstärkte Maßnahmen in den Bereichen Prävention, Früherkennung sowie einen niederschwelligen Zugang zur neurologischen Versorgung aus. Der diesjährige World Brain Day steht unter dem Motto "Brain Health: Access for All" und thematisiert die Frage, wie Menschen unabhängig von Alter, Wohnort oder sozioökonomischem Hintergrund einen gleichberechtigten Zugang zu neurologischer Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation erhalten können.
Österreich verfüge zwar über ein leistungsfähiges neurologisches Versorgungssystem, das in den vergangenen Jahren durch den Ausbau zertifizierter Stroke Units, spezialisierter Zentren für Parkinson, Multiple Sklerose, Epilepsie und neuromuskuläre Erkrankungen sowie den Einsatz innovativer Therapien deutlich gestärkt wurde. Gleichzeitig bestehen weiterhin regionale Unterschiede beim Zugang zu spezialisierten Angeboten, insbesondere im Bereich der neurologischen Rehabilitation und ambulanter Versorgungsstrukturen. Aus Sicht der Fachgesellschaft sollte daher eine flächendeckende, wohnortnahe und qualitätsgesicherte neurologische Versorgung sichergestellt werden, damit alle Patient:innen gleichermaßen von moderner Diagnostik und innovativen Behandlungsmöglichkeiten profitieren können.
Die ÖGN weist zudem darauf hin, dass ein erheblicher Anteil neurologischer Erkrankungen durch gezielte Präventionsmaßnahmen positiv beeinflusst oder in einzelnen Fällen sogar verhindert werden kann. Die Förderung der Gesundheitskompetenz sowie die konsequente Reduktion modifizierbarer Risikofaktoren seien daher zentrale Aufgaben. Denn Gehirngesundheit bildet eine wesentliche Grundlage für Lebensqualität, Selbstständigkeit und gesellschaftliche Teilhabe über die gesamte Lebensspanne.
Zur Förderung der Gehirngesundheit empfiehlt die Österreichische Gesellschaft für Neurologie:
- Regelmäßige körperliche Aktivität
- Kontrolle von Blutdruck, Cholesterin- und Blutzuckerwerten
- Nichtrauchen
- Ausgewogene Ernährung
- Ausreichenden und qualitativ hochwertigen Schlaf
- Geistige Aktivität und lebenslanges Lernen
- Soziale Kontakte und aktive gesellschaftliche Teilhabe