Die neueste Auswertung einer großen Kohortenstudie des Universitätsklinikums Würzburg (UKW) liefert neue Evidenz, ob die Einnahme der Antibabypille die Impfwirksamkeit beeinflusst. Bei mehr als 1.000 Frauen fanden sich auch nach Adjustierung für relevante Störgrößen keine Hinweise darauf, dass die Einnahme oraler Kontrazeptiva die humorale oder zelluläre Immunantwort nach SARS-CoV-2-Boosterimpfungen klinisch relevant beeinflusst.
Grundlage der Analyse war die prospektive CoVacSer-Studie des UKW, in deren Rahmen über 1.800 Beschäftigte im Gesundheitswesen während der COVID-19-Pandemie immunologisch begleitet wurden. Für die aktuelle Auswertung wurden die Daten von 1.061 Frauen im Alter von 18 bis 50 Jahren herangezogen. Rund 20 % der Teilnehmerinnen berichteten über die Einnahme oraler Kontrazeptiva. Untersucht wurden sowohl die Antikörperantwort als auch die T-Zell-vermittelte Immunität vor und nach der dritten beziehungsweise vierten COVID-19-Impfung. Für keinen der analysierten immunologischen Parameter zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang mit der Einnahme oraler Kontrazeptiva.
Da randomisierte kontrollierte Studien zur Anwendung hormoneller Kontrazeptiva aus ethischen Gründen kaum durchführbar sind, kommt großen, gut charakterisierten Kohortenstudien besondere Bedeutung zu. Frühere Untersuchungen hatten teilweise Assoziationen zwischen hormoneller Kontrazeption und einzelnen immunologischen Parametern beschrieben, konnten potenzielle Confounder jedoch häufig nur begrenzt berücksichtigen. In der aktuellen Analyse wurden daher multivariable statistische Modelle eingesetzt, die unter anderem Alter, Body-Mass-Index, Impfstofftyp, vorausgegangene SARS-CoV-2-Infektionen, berufliche Exposition sowie weitere potenzielle Einflussfaktoren einbezogen.
Die Autor:innen weisen jedoch auf mehrere Limitationen der Studie hin. So lagen keine detaillierten Informationen zur Zusammensetzung der verwendeten Kontrazeptiva oder zur Zyklusphase der Teilnehmerinnen zum Zeitpunkt der Impfungen vor. Mögliche Unterschiede zwischen einzelnen Präparaten sowie zyklusabhängige Effekte können daher nicht abschließend bewertet werden. Diese Fragestellungen sollten in zukünftigen Untersuchungen näher beleuchtet werden.