Hausärzt:in 01/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Doxycyclin zur Prävention von STI

Das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) hat eine neue Empfehlung zur Anwendung von Doxycyclin-Postexpositionsprophylaxe (Doxy-PEP) zur Prävention bakterieller sexuell übertragbarer Infektionen (STI) veröffentlicht.

Die globale Inzidenz von STI steigt stetig. Im Jahr 2023 lagen die Meldungen im Vergleich zu 2019 um 16 % bei Chlamydien, um 138 % bei Gonorrhö und um 53 % bei Syphilis höher. Insbesondere Männer, die Sex mit Männern haben, sind überproportional häufig betroffen.

Als eine mögliche Präventionsstrategie hat sich die Doxy-PEP erwiesen. Sie besteht in der einmaligen Einnahme einer 200 mg Doxycyclin-Dosis innerhalb von 24 Stunden, spätestens jedoch 72 Stunden nach kondomlosem Sex.

Klinische Studien haben gezeigt, dass Doxy-PEP die Inzidenz von Chlamydien und Syphilis bei Männern, die Sex mit Männern haben, sowie bei transgeschlechtlichen Frauen mit einer Vorgeschichte von STI wirksam reduziert. Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass Doxy-PEP in den meisten europäischen Ländern die Inzidenz von Gonorrhö wirksam senkt, da bereits hohe Resistenzraten gegen Tetrazykline bei den derzeit in der EU zirkulierenden Stämmen von Neisseria gonorrhoeae bestehen. Diese Resistenz lag 2023 bei 58,4 %.

Es gibt Hinweise, dass eine breitere Anwendung des Antibiotikums nicht nur zu einer erhöhten Resistenz bei STI-Erregern führt, sondern auch bei anderen Bakterien wie Staphylococcus aureus sowie bei kommensalen Organismen. Auf Grundlage dieser Erkenntnisse empfiehlt das ECDC, die Doxy-PEP nicht als bevölkerungsweite Maßnahme. Entscheidungen über den Einsatz sollten auf individueller Ebene getroffen werden, basierend auf dem persönlichen Infektionsrisiko (z.B. diagnostizierte STIs der letzten 6 Monate, sexualisierter Drogengebrauch, >10 Sexpartner:innen der letzten 6 Monate).

Falls eine Doxy-PEP eingesetzt wird, sollte der Schwerpunkt vor allem auf der Prävention von Syphilis liegen. Die Anwendung sollte gezielt bei Gruppen mit dem höchsten Infektionsrisiko erfolgen und überwacht werden, um das Auftreten antimikrobieller Resistenzen zu beobachten. 

Bei DOXY-PEP handelt es sich um einen Off-Label Use von Doxycyclin.