In genomweiten Assoziationsstudien wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Single-Nucleotide-Polymorphismen (SNPs) identifiziert, die mit einem erhöhten Risiko für einen Typ‑2‑Diabetes assoziiert sind. Die UK Biobank mit Blutproben von rund 500.000 Proband:innen ermöglicht eine differenzierte Analyse des genetischen Risikos im Vergleich zu nichtgenetischen Einflussfaktoren.
In die vorliegende Auswertung wurden 332.251 Teilnehmer:innen eingeschlossen, die zu Studienbeginn (mittleres Alter 55 Jahre) keinen Diabetes aufwiesen. Über eine mediane Nachbeobachtungszeit von 13,6 Jahren traten bei 4 % Neuerkrankungen auf. Anhand von 783 SNPs wurde ein genetischer Risiko-Score (Genetic Risk Score, GRS) berechnet. Im mittleren Tertil zeigte sich im Vergleich zur Referenzgruppe ein um 59 % erhöhtes Diabetesrisiko (Hazard Ratio [HR] 1,59), was die relevante genetische Komponente der Erkrankung bestätigt. Demgegenüber fiel der Einfluss von Lebensstilfaktoren deutlich stärker aus. Im mittleren Tertil lag die HR bei 2,38, im Tertil mit dem ungünstigsten Lebensstil bei 6,83. Das populationsattributive Risiko (PAR) betrug 55 %, was darauf hinweist, dass mehr als die Hälfte der Erkrankungsfälle potenziell durch einen gesunden Lebensstil vermeidbar wäre.
Besonders relevant ist die Interaktion zwischen genetischer Prädisposition und Lebensstil. Auch bei niedrigem GRS war ein ungesunder Lebensstil mit einem deutlich erhöhten Risiko verbunden (HR 7,11). Im mittleren GRS-Tertil mit ungünstigem Lebensstil lag die HR bei 11,98, im höchsten Tertil sogar bei 16,33, jeweils im Vergleich zu Personen mit niedrigem genetischem Risiko und gesundem Lebensstil.
Die Lebensstilklassifikation basierte auf vier Parametern gemäß der AHA-Leitlinien: Raucherstatus, Body-Mass-Index (BMI), körperliche Aktivität und Ernährung. Als "gesund" galt ein Lebensstil bei Erfüllung von mindestens drei dieser Kriterien. Innerhalb dieser Faktoren zeigte der BMI den stärksten Zusammenhang mit dem Diabetesrisiko, gefolgt von Rauchen und körperlicher Aktivität. Auch die Ernährung hatte einen Einfluss, wenngleich einen weniger ausgeprägten.
Obwohl genetische Faktoren zum Risiko für Typ‑2‑Diabetes beitragen, überwiegt der Einfluss modifizierbarer Lebensstilfaktoren deutlich. Eine gezielte Prävention durch Lebensstilinterventionen ist selbst bei genetisch vorbelasteten Personen hochwirksam.