Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Unterschiedliche Assoziationen kardiovaskulärer Erkrankungen mit Alzheimer

Eine neue Studie analysierte Daten aus zwei großen Kohorten, um den Zusammenhang zwischen kardiovaskulären Erkrankungen und der Alzheimer-Krankheit zu untersuchen.

Für die vorliegende Analyse wurden Daten aus zwei großen populationsbasierten Kohorten herangezogen: der UK Biobank (n = 502.133) sowie dem US-amerikanischen All of Us Research Program (n = 287.011). Untersucht wurden die Assoziationen zwischen der Alzheimer-Krankheit und insgesamt zehn (UK Biobank) beziehungsweise neun (All of Us) kardiovaskulären Erkrankungen bzw. Risikofaktoren.

Der Großteil der analysierten kardiovaskulären Erkrankungen und Risikofaktoren zeigte in beiden Kohorten signifikante Zusammenhänge mit der Alzheimer-Krankheit. Die stärkste Assoziation bestand dabei für Hypotonie. In der UK Biobank lag die Odds Ratio (OR) bei 2,74, im All of Us Research Program bei 1,97. Auch Hypertonie (OR 1,57 bzw. 1,65) sowie ischämischer Schlaganfall (OR 1,49  bzw. 1,85) waren deutlich mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko assoziiert. Herzrhythmusstörungen zeigten ebenfalls konsistente positive Zusammenhänge. Für akuten Myokardinfarkt ergab sich hingegen in keiner der beiden Kohorten eine signifikante Assoziation.

Bemerkenswert ist, dass Hypotonie im Vergleich zu Hypertonie bislang deutlich weniger wissenschaftliche Beachtung findet, was sich auch in einer limitierten Datenlage widerspiegelt.

Als potenzielle pathophysiologische Mechanismen werden eine chronisch reduzierte zerebrale Perfusion, oxidativer Stress sowie eine Förderung der Tau-Pathologie diskutiert. Umgekehrt ist auch denkbar, dass die Alzheimer-Krankheit selbst über eine Dysfunktion des autonomen Nervensystems die kardiovaskuläre Regulation beeinträchtigt. Da es sich um eine Querschnittsanalyse handelt, kann aber keine Aussage zur Kausalität bzw. zur zeitlichen Abfolge der Erkrankungen getroffen werden.

Die Ergebnisse unterstreichen dennoch die klinische Bedeutung der Gefäßgesundheit im Kontext des Alzheimer-Risikos. Weitere prospektive Studien sind erforderlich, um die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen besser zu verstehen.