Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Bessere Risikostratifizierung bei steatotischer Lebererkrankung

Ein internationales Forschungskonsortium unter Leitung der MedUni Wien hat untersucht, wie sich das Risiko für schwere Komplikationen bei Patient:innen mit fortgeschrittener steatotischer Lebererkrankung präziser abschätzen lässt.

Steatotische Lebererkrankungen sind häufig und heterogen in ihrer Ätiologie. Sie sind typischerweise mit metabolischen Risikofaktoren wie Adipositas, Diabetes mellitus oder dem metabolischem Syndrom assoziiert, können jedoch auch alkoholbedingt sein oder durch eine Kombination mehrerer Faktoren entstehen. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zur progressiven Fibrosierung bis hin zur Zirrhose mit potenziell schweren Komplikationen wie Aszites, Varizenblutungen und Leberinsuffizienz.

Ein zentraler pathophysiologischer Faktor ist die portale Hypertension. Ein klinisch signifikanter Anstieg des Pfortaderdrucks ist eng mit dem Auftreten von Komplikationen verknüpft. Der hepatisch-venöse Druckgradient stellt den Goldstandard zur Quantifizierung dar, ist jedoch invasiv und nicht ubiquitär verfügbar. Daher gewinnen nicht-invasive Methoden wie Lebersteifigkeitsmessungen und Blutwerte zunehmend an Bedeutung.

In der vorliegenden multizentrischen Analyse wurden 696 Patient:innen aus 17 europäischen Zentren mit fortgeschrittener, kompensierter chronischer Lebererkrankung eingeschlossen. Untersucht wurden alkoholbedingte (ALD), metabolisch bedingte (MASLD) sowie gemischte Ätiologien. Initial zeigte sich eine höhere Komplikationsrate bei ALD. Nach Adjustierung für Krankheitsstadium und Ausmaß der portalen Hypertension bestanden jedoch keine signifikanten Unterschiede im Komplikationsrisiko zwischen den Ätiologien mehr. Dies unterstreicht, dass weniger die Ursache als vielmehr das Ausmaß der portalen Hypertension prognostisch entscheidend ist.

Zudem bestätigt die Studie den klinischen Nutzen nicht-invasiver Testverfahren. Insbesondere ein kombiniertes Modell aus Lebersteifigkeit, Thrombozytenzahl und Body-Mass-Index zeigte eine gute diagnostische Performance zur Identifikation einer klinisch signifikanten portalen Hypertension über verschiedene Ätiologien hinweg. Nicht-invasive Verfahren ersetzen invasive Messmethoden aber nicht vollständig. Sie erlauben jedoch eine niedrigschwellige Risikostratifizierung im klinischen Alltag.

Angesichts der hohen Prävalenz steatotischer Lebererkrankungen ist die frühzeitige Identifikation von Hochrisikopatient:innen essenziell, um eine zielgerichtete Überwachung und Therapie zu ermöglichen.