Hausärzt:in 09/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Welt-Rheuma-Tag: Früherkennung und Versorgung im Fokus

Chronisch-rheumatische Erkrankungen zählen zu den häufigsten nichtübertragbaren Erkrankungen. Anlässlich des Welt-Rheuma-Tages am 12. Oktober machen Expert:innen sowohl auf die Bedeutung einer frühen Diagnose von Arthrose als auch auf erhebliche Versorgungsengpässe in der Rheumatologie aufmerksam.

"Die verschleißbedingte Gelenkerkrankung Arthrose nimmt im Alter deutlich zu und wird uns aufgrund des demografischen Wandels auch in Zukunft noch stark beschäftigen", betont Andreas Stippler, Facharzt für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie Fachgruppenobmann in der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK). Entscheidend sei eine möglichst frühe Diagnose, da sich die Erkrankung in frühen Stadien besser beeinflussen lasse.

Arthrose frühzeitig erkennen

Arthrose zählt zu den häufigsten rheumatischen Erkrankungen. Kennzeichnend sind Veränderungen und ein fortschreitender Abbau des Gelenkknorpels sowie Umbauvorgänge an den angrenzenden Knochen. Nach Angaben Stipplers können Arthrosen der Knie- und Hüftgelenke bereits ab dem 40. Lebensjahr beginnen. Er spricht sich daher für einen Arthrose-Check ab diesem Alter aus. Neben strukturellen Untersuchungen mittels Röntgen und Ultraschall sollten dabei auch funktionelle Aspekte berücksichtigt werden. Dazu zählen unter anderem die Beurteilung der Muskelkraft sowie der intramuskulären Koordination, die für die Gelenkstabilität eine wichtige Rolle spielen.

Wird eine Arthrose diagnostiziert, sollten laut Stippler alle Betroffenen zunächst eine Basistherapie erhalten. Diese umfasst Aufklärung über die Erkrankung, Maßnahmen zur Gewichtsreduktion sowie gezielten Muskelaufbau. Die umgebende Muskulatur habe einen maßgeblichen Einfluss auf die weitere Entwicklung der Erkrankung und könne die betroffenen Gelenke entlasten. Dabei gehe es nicht um klassische Heilgymnastik, sondern um eine medizinische Kräftigungstherapie mit sensomotorischen Übungen. Ziel sei der strukturierte Aufbau von Kraft und Stabilität, um die Funktion der betroffenen Gelenke möglichst lange zu erhalten.

Als weitere Behandlungsoption nennt Stippler die sogenannte Orthobiologie. Dabei kommen unter anderem Eigenblutpräparate, Hyaluronsäure, Kollagen oder stammzellbasierte Verfahren zum Einsatz, um Regenerationsprozesse des Gewebes zu unterstützen und frühzeitig in das Krankheitsgeschehen einzugreifen. Ergänzend würden auch Arzneimittel verwendet, die Bestandteile der Knorpelmatrix enthalten, etwa Glucosamin oder Chondroitin.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Therapieerfolg bleibe die aktive Mitarbeit der Betroffenen. Insbesondere Lebensstiländerungen könnten das Fortschreiten der Erkrankung positiv beeinflussen und dazu beitragen, operative Eingriffe hinauszuzögern oder teilweise zu vermeiden.

Rheumatologie kämpft mit Versorgungsengpässen

Während Arthrose vor allem durch den demografischen Wandel an Bedeutung gewinnt, warnt die Österreichische Gesellschaft für Rheumatologie & Rehabilitation (ÖGR) vor einer zunehmenden Unterversorgung von Menschen mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Nach Angaben von Christina Duftner, Präsidentin der ÖGR, ist die Nachfrage nach rheumatologischer Versorgung bereits heute hoch und dürfte in den kommenden Jahren weiter steigen.

Chronisch-rheumatologische Erkrankungen sind in Österreich weit verbreitet. Nach Einschätzung der Fachgesellschaft ist bis zu ein Viertel der Bevölkerung betroffen. Entsprechend groß seien die gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Erkrankungen.

Besonders problematisch sei die Situation im niedergelassenen Bereich. Österreichweit gibt es derzeit lediglich 32 Rheumatolog:innen mit Verträgen bei allen Krankenkassen. Gleichzeitig sind 45 % der Fachärzt:innen älter als 55 Jahre. In manchen Regionen fehlt eine rheumatologische Versorgung vollständig, wodurch Patient:innen lange Anfahrtswege und Wartezeiten in Kauf nehmen müssen oder auf Spitalsambulanzen ausweichen.

Die ÖGR fordert daher eine österreichweit einheitliche und leistungsgerechte Honorierung rheumatologischer Leistungen, um mehr Fachärzt:innen für den niedergelassenen Bereich zu gewinnen. Insbesondere aufwendige Beratungsgespräche, Kontrollen unter immunsuppressiver Therapie sowie spezifische Leistungen wie Ultraschalluntersuchungen müssten adäquat abgebildet werden.

Darüber hinaus spricht sich die Fachgesellschaft für die Einführung einer Rheuma-Fachassistenz aus. Speziell ausgebildete Gesundheits- und Pflegeberufe könnten rheumatologische Ambulanzen und Ordinationen entlasten und Patient:innen bei Beratung, Therapieadhärenz und Krankheitsmanagement unterstützen. Vergleichbare Modelle hätten sich in anderen europäischen Ländern bereits bewährt.