Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Antibiotikaresistenzen: Gift hilft gefährlichen Bakterien bei der Abwehr von Immunzellen

Forscher:innen der Universität Freiburg haben einen Mechanismus entdeckt, mit dem Bakterien die menschliche Immunabwehr schwächen, indem sie das Gift Cyanwasserstoff als Schutzschild nutzen. Diese Erkenntnis könnte neue Therapieansätze gegen resistente Keime ermöglichen.

Bei Pseudomonas aeruginosa handelt es sich um einen häufigen Erreger von Spitalinfektionen, insbesondere bei immungeschwächten Patient:innen. Das Bakterium ist für seine Fähigkeit bekannt, Antibiotikaresistenzen zu entwickeln. 

Ein Forschungsteam, unter der Leitung von Csaba Szabó und Patrice Nordmann vom Departement für Onkologie, Mikrobiologie und Immunologie der Universität Freiburg, konnte feststellen, dass das Bakterium Cyanwasserstoff nutzt, um die angeborene Immunantwort zu schwächen. Das von Pseudomonas aeruginosa produzierte Gift half den Bakterien, Angriffe von Immunzellen zu überleben. Als die Forscher:innen die Cyanidproduktion genetisch ausschalteten, wurden die Bakterien deutlich anfälliger für die Zerstörung durch Makrophagen.

In weiteren Tests verstärkten Verbindungen, die Cyanid neutralisieren (dazu gehörten auch Derivate von Vitamin B12), die Fähigkeit der Immunzellen, die Bakterien zu beseitigen. Dies führte in Tiermodellen zu einer deutlich geringeren Bakterienlast im infizierten Gewebe. "Unsere Ergebnisse zeigen, dass Blausäure nicht nur ein toxisches Nebenprodukt des bakteriellen Stoffwechsels ist, sondern ein echter Virulenzfaktor, der Bakterien hilft, Immunangriffen zu widerstehen", so Szabó. Und weiter: "Die gezielte Hemmung der bakteriellen Cyanidproduktion oder die Neutralisierung von Cyanid könnte eine völlig neue Strategie darstellen, um das Immunsystem bei der Bekämpfung von Infektionen zu unterstützen."

Diese Ergebnisse eröffnen neue Wege für innovative Therapieansätze. Behandlungen, die auf der Bindung von Cyanid basieren, könnten die natürlichen Abwehrkräfte des Körpers stärken und die Eliminierung der Bakterien verbessern. Solche Ansätze könnten bestehende Antibiotika ergänzen und zur Bekämpfung von Infektionen beitragen, die zunehmend schwer zu behandeln seien.

Die Studienergebnisse wurden im "Journal of Infectious Diseases" veröffentlicht.