Im Fokus der Forschungsarbeit stand der Von-Willebrand-Faktor (VWF) – ein Eiweiß im Blut, das unter anderem an der Blutgerinnung beteiligt ist und als Marker für abnormale Veränderungen der Gefäßinnenwand gilt. Bei Menschen mit Leberzirrhose werden häufig erhöhte VWF-Werte beobachtet. Es war bisher jedoch unklar, ob Veränderungen dieses Werts nach einer Implantation eines transjugulären intrahepatischen portosystemischen Shunts (TIPS) Informationen über die weitere Prognose liefern können.
In der Studie wurden Daten von 199 Patient:innen aus Wien und Mainz ausgewertet. Bei 118 Personen lagen Messungen des VWF vor – sowohl vor dem Eingriff als auch drei Monate danach. Es zeigte sich, dass die VWF-Werte in der Gesamtgruppe von 313 auf 262 % zurückgingen. Ein klinisch relevanter Rückgang (d. h. gemäß der zuvor festgelegten Definition von ≥ 5 %) war bei fast der Hälfte der Patient:innen zu verzeichnen. Dabei war nicht der Ausgangswert vor dem Eingriff entscheidend, sondern vielmehr die anschließende Entwicklung. Patient:innen mit einer Abnahme des VWF wiesen eine signifikant niedrigere Sterblichkeitsrate auf als Patient:innen ohne eine Verringerung. Nach einem Jahr lag die Sterblichkeitsrate bei 4,2 % gegenüber bis zu 21,1 % bei Patient:innen ohne Rückgang des VWF. Auch nach Berücksichtigung etablierter Risikofaktoren für die Sterblichkeit, wie Alter und Schweregrad der Lebererkrankung, blieb dieser Zusammenhang bestehen.
Das Forschungsteam untersuchte zudem die Dynamik des Entzündungsmarkers Interleukin-6 (IL-6). Die Kombination beider Marker machte eine weitere Risikoeinteilung möglich: Patient:innen, bei denen sowohl VWF als auch IL-6 innerhalb von drei Monaten nach TIPS abnahmen, hatten die günstigste Prognose. Die Sterblichkeit betrug bei dieser Gruppe nach zwei Jahren 10,6 %. Die Sterblichkeitsrate bei denjenigen, bei denen keiner der beiden Marker zurückging, lag hingegen bei bis zu 46,7 %.
"Unsere Ergebnisse zeigen, dass nicht einzelne Ausgangswerte vor dem Eingriff, sondern deren Entwicklung in den ersten Monaten danach wichtige Hinweise auf den weiteren Krankheitsverlauf liefern können", hält Erstautorin Marlene Hintersteininger (Klinische Abteilung für Gastroenterologie und Hepatologie, Universitätsklinik für Innere Medizin III, MedUni Wien) fest.
Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift "Liver International" veröffentlicht.