Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Valproat: Unklare Evidenz bei väterlicher Exposition

Das PRAC (Pharmacovigilance Risk Assessment Committee) der EMA hat Valproat erneut bewertet. Die aktuelle Evidenz zu NDD-Risiken bei väterlicher Exposition bleibt uneinheitlich, ein kausaler Zusammenhang ist weiterhin nicht eindeutig.

Das PRAC hat seine Bewertung zur Sicherheit von Valproat abgeschlossen. Auf Grundlage aktueller Daten zeigt sich, dass die Evidenz hinsichtlich eines möglichen Risikos für neuroentwicklungsbedingte Störungen (NDDs) bei Kindern von Vätern, die vor der Konzeption mit Valproat behandelt wurden, uneinheitlich ist. Ein kausaler Zusammenhang kann derzeit nicht bestätigt werden.

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der PRAC, die im Jahr 2024 eingeführten Vorsichtsmaßnahmen für männliche Patienten weiterhin beizubehalten. Diese Maßnahmen adressieren ein potenzielles Risiko für NDDs bei Kindern, deren Väter in den drei Monaten vor der Zeugung Valproat angewendet haben.

Valproat ist indiziert zur Behandlung von Epilepsie und bipolaren Störungen und wird in einigen EU-Mitgliedstaaten auch zur Migräneprophylaxe eingesetzt. Zu den NDDs zählen unter anderem Autismus-Spektrum-Störungen, intellektuelle Beeinträchtigungen, Kommunikationsstörungen sowie ADHS und motorische Entwicklungsstörungen.

Die im Jahr 2024 bewertete PASS-Studie (Daten aus skandinavischen Registern) hatte ein möglich erhöhtes Risiko für NDDs im Vergleich zu Kindern von Vätern unter Lamotrigin oder Levetiracetam nahegelegt.1 Aufgrund methodischer Limitationen wurde dieses Ergebnis jedoch als unsicher eingestuft, führte aber zur Einführung von Vorsichtsmaßnahmen. Parallel wurde eine größere, methodisch optimierte Studie initiiert. Die Ergebnisse werden 2028 erwartet.

Neuere Daten, einschließlich einer landesweiten dänischen Registerstudie2, zeigen hingegen kein erhöhtes Risiko. Insgesamt ergibt sich ein heterogenes Bild: Während einzelne Studien3 einen möglichen Zusammenhang nahelegen, findet die Mehrzahl der retrospektiven Untersuchungen kein entsprechendes Signal.4 Unterschiede im Studiendesign und in der Kontrolle von Confoundern, insbesondere der Grunderkrankung der Väter, könnten diese Diskrepanzen erklären.

Der PRAC kommt daher zu dem Schluss, dass derzeit nicht differenziert werden kann, ob ein mögliches Risiko auf Valproat oder auf andere Faktoren zurückzuführen ist. Die Evidenz bleibt inkonsistent, und die Kausalität ist unklar. Bis zum Vorliegen robusterer Daten empfiehlt der PRAC, die Fortführung der bestehenden Vorsichtsmaßnahmen für männliche Patienten.