Beim 9. FrauenGesundheitsdialog 2026 in Wien kamen rund 150 Vertreter:innen aus Gesundheitswesen, Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen, um aktuelle Herausforderungen der Frauengesundheit zu diskutieren und Impulse für eine geschlechtergerechte Versorgung zu setzen.
Gesundheits- und Sozialministerin Korinna Schumann kündigte dabei die Erarbeitung einer neuen österreichischen Frauengesundheitsstrategie an. Grundlage dafür ist die Aktualisierung des Aktionsplans Frauengesundheit 2017 durch die Gesundheit Österreich GmbH (GÖG) auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse. Der Entwicklungsprozess ist mehrstufig angelegt und sieht die Einbindung einer Kerngruppe aus Expert:innen und Stakeholdern sowie regionale Austauschformate vor. Ziel ist es, bis Ende 2026 einen konkreten Strategierahmen mit prioritären Maßnahmen zu erarbeiten. Erste Umsetzungsschritte sollen ab 2027 erfolgen.
Inhaltlich wurden zunächst zwei zentrale Themenfelder priorisiert: die Wechseljahre und die Endometriose. Geplant sind unter anderem evidenzbasierte Informationsangebote zu den Wechseljahren sowie die Erstellung einer österreichweiten Endometrioselandkarte, die Betroffenen eine bessere Orientierung im Versorgungssystem bieten und den Zugang zu Diagnostik und Therapie erleichtern soll.
Im Rahmen der Veranstaltung wurden besonders relevante Versorgungsthemen vorgestellt. So wurde auf bestehende geschlechterspezifische Ungleichheiten hingewiesen, insbesondere auf das Phänomen des sogenannten Medical Gaslighting, bei dem Beschwerden von Patientinnen nicht ausreichend ernst genommen oder fehlinterpretiert werden. Dies unterstreicht die Bedeutung einer sensiblen und differenzierten Anamnese sowie einer reflektierten Diagnostik in der hausärztlichen Praxis.
Zudem wurde die Rolle niederschwelliger Angebote hervorgehoben. Das Pilotprojekt INVVO zeigt, dass kostenfreie Verhütung und psychosoziale Beratung den Zugang zur Versorgung verbessern und gesundheitliche Chancengleichheit fördern können. Ein weiterer Schwerpunkt lag auf Konzepten einer geschlechtersensiblen Primärversorgung, darunter gender-responsive Versorgungsansätze sowie Shared-Care-Modelle, etwa für Frauen ab 50 Jahren, die eine engere Zusammenarbeit zwischen Allgemeinmedizin und fachärztlichen Disziplinen fördern sollen.
Außerdem wurde in themenspezifischen Workshops praxisrelevante Fragestellungen vertieft und evidenzbasierte Handlungsempfehlungen erarbeitet. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sollen eine wesentliche Grundlage für die Ausarbeitung der neuen Frauengesundheitsstrategie werden.