Das Konsensuspapier der ÖGLMKC, ÖQUASTA und ÖGN beschreibt standardisierte Ansätze zur Labordiagnostik der chronischen Nierenerkrankung (CKD) im Kontext der kardiovaskulär‑renalen‑metabolischen Gesundheit. Die CKD stellt aufgrund geringer Erkrankungskenntnis, hoher Morbidität, Mortalität und Kosten eine wesentliche Herausforderung für das Gesundheitssystem dar.
In Österreich sind schätzungsweise 921.000 bis 1,04 Mio. Menschen betroffen, weniger als 10 % wissen von ihrer Erkrankung. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie kann die Progression deutlich verlangsamen sowie kardiovaskuläre Ereignisse, Hospitalisierungen und die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie reduzieren.
Zentrale diagnostische Parameter sind dabei die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) und die Albumin‑Kreatinin‑Ratio im Urin (uACR). Defizite bestehen aber insbesondere in der unzureichenden Nutzung der uACR sowie in fehlender Standardisierung und methodischer Heterogenität. Die Diagnose einer CKD erfordert pathologische Befunde über mindestens drei Monate (eGFR < 60 ml/min/1,73 m2 und/oder uACR ≥ 30 mg/g in zwei Messungen). Bei eGFR < 60 ml/min/1,73 m2 wird zusätzlich die Angabe des 2‑ und 5‑Jahres‑Risikos für terminales Nierenversagen mittels KFRE empfohlen. In Situationen mit potenziell eingeschränkter Aussagekraft des Kreatinins (z. B. bei therapieabhängigen Entscheidungen) soll ergänzend Cystatin C bestimmt und die eGFRcr‑cys berechnet werden.
Internationale und nationale Daten zeigen, dass 60–74 % der Betroffenen ausschließlich über die uACR erkannt werden. Die Albuminurie ist ein sensitiver Marker für renale und kardiovaskuläre Schädigung und zentral für die niederschwellige Früherkennung. Zusätzlich kann ein uACR‑basiertes Screening bislang unerkannte Hypertonie, Diabetes und weitere Risikofaktoren aufdecken.
Diese Patient:innen mit Diabetes mellitus, arterieller Hypertonie und kardiovaskulären Erkrankungen gehören auch zu den wichtigsten Risikogruppen. Leitlinien empfehlen daher ein regelmäßiges Screening mittels eGFR und uACR, bei Diabetes jährlich, bei anderen Risikogruppen alle zwei Jahre.
Moderne Therapien (SGLT2‑Inhibitoren, nichtsteroidale Mineralokortikoid‑Antagonisten, GLP‑1‑Rezeptoragonisten) verbessern die Prognose von CKD‑Patient:innen signifikant, verlangsamen die Krankheitsprogression und reduzieren kardiorenale Endpunkte. Voraussetzung ist jedoch eine rechtzeitige Diagnosestellung.
Außerdem werden eine analytische und präanalytische Standardisierung, einheitliche Berechnungsmethoden (insbesondere Verwendung der EKFC‑Formel), strukturierte Befunddarstellung sowie die Integration von Risikobewertungen wie der KFRE empfohlen. Qualitätssicherung durch externe Ringversuche und harmonisierte Befundformate sind für die klinische Interpretation essenziell.
Denn Ringversuche der ÖQUASTA zeigten eine erhebliche methodische Heterogenität in Österreich. Nicht alle eingesetzten Methoden für Kreatinin, Cystatin C und Albumin entsprechen internationalen Referenzstandards. Zudem werden unterschiedliche, teils veraltete Kalibrationsverfahren verwendet. Dies beeinträchtigt die Vergleichbarkeit und leitliniengerechte Interpretation von Befunden.
Abschließend wird die systematische Integration der CKD‑Früherkennung in die Primärversorgung, eine verbesserte Abrechenbarkeit diagnostischer Leistungen sowie eine stärkere digitale Einbindung von Labordaten gefordert, um Früherkennung, Befundvergleichbarkeit und Patient:innenversorgung nachhaltig zu verbessern.