Hausärzt:in 02/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Ursache für Chikungunya-Impfkomplikationen gefunden?

Neue Studie untersucht Ursache für schwere Komplikationen nach Impfung mit dem Lebendimpfstoff gegen Chikungunya. 

In den vergangenen Jahren wurden wiederholt schwere, teilweise tödliche Komplikationen im Zusammenhang mit dem Lebendimpfstoff gegen Chikungunya berichtet. Die meisten schweren Nebenwirkungen traten bei älteren Patient:innen auf und umfassten unter anderem Enzephalitiden sowie chikungunyaähnliche Krankheitsbilder.

Aufgrund dieser Sicherheitsbedenken wurde die Anwendung des Impfstoffs im Mai 2025 in der EU vorübergehend für Personen über 65 Jahre ausgesetzt. Nach einer erneuten Nutzen-Risiko-Bewertung hob die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) diese Einschränkung später wieder auf, empfiehlt jedoch eine sorgfältige individuelle Risikoabwägung.

Eine aktuelle Studie liefert nun einen möglichen immunologischen Mechanismus für diese schweren Impfkomplikationen. Demnach könnten Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone (IFN-α und IFN-ω) eine zentrale Rolle spielen. In einer Fallserie entwickelten mehrere ältere Patient:innen nach Impfung eine Enzephalitis; bei allen Betroffenen konnten neutralisierende Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone nachgewiesen werden.

Typ-I-Interferone sind Teil der frühen, unspezifischen antiviralen Immunantwort. Neutralisierende Autoantikörper gegen diese Zytokine sind bereits als Risikofaktor für schwere Virusinfektionen bekannt, darunter schwere COVID-19-Pneumonien oder schwere Verläufe arboviraler Infektionen.

Die Prävalenz solcher Autoantikörper steigt mit zunehmendem Alter. Ein präimpflicher Antikörpertest könnte daher möglicherweise helfen, das Risiko schwerer Nebenwirkungen bei Lebendimpfstoffen gegen arbovirale Infektionen zu reduzieren.

Allerdings basiert die vorliegende Analyse auf einer sehr kleinen Fallzahl. Trotz der begrenzten Datenlage zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Vorliegen neutralisierender Autoantikörper gegen Typ-I-Interferone und dem Auftreten einer impfassoziierten Enzephalitis.

Die Autor:innen empfehlen daher, Personen mit nachgewiesenen Autoantikörpern gegen Typ-I-Interferone nicht mit Lebendimpfstoffen gegen Chikungunya oder andere Arboviren zu impfen. Besonders bei Patient:innen über 65 Jahren sowie bei Personen mit Autoimmunerkrankungen oder erhöhter Infektanfälligkeit könnte ein Screening auf diese Autoantikörper vor Impfung sinnvoll sein.

Bei Patient:innen mit schweren Nebenwirkungen nach der Impfung sollte ebenfalls eine entsprechende Diagnostik erfolgen. Als mögliche therapeutische Strategie wird der Einsatz von rekombinantem Interferon-β diskutiert. Diese Behandlungsoption bedarf jedoch weiterer klinischer Untersuchung.