Hausärzt:in 12/2025
Ärzt:in Assistenz 2025

Helfen Cannabis-haltige Arzneimittel bei Nervenschmerzen?

Ein neuer Cochrane Review analysierte, ob Medikamente auf Cannabis-Basis bei chronischen Nervenschmerzen helfen. Die Forscher:innen kamen zu dem Ergebnis, dass Cannabis-basierte Präparate möglicherweise bei chronischen Nervenschmerzen nicht oder nur wenigen Menschen helfen, aber häufig unerwünschte Wirkungen verursachen.

Chronische neuropathische Schmerzen entstehen durch geschädigte Nerven, die unkontrolliert Schmerzsignale erzeugen. Ursachen können zum Beispiel Diabetes, Bandscheibenvorfälle, Gürtelrose, Chemotherapien oder Schlaganfälle sein. Wenn Standard-Arzneimittel nicht ausreichend helfen, setzen einige Schmerzpatient:innen ihre Hoffnung auf Cannabis-basierte Medikamente.

Für den aktualisierten Cochrane Review wurden 21 randomisierte Studien mit 2187 Erwachsenen ausgewertet. Die Teilnehmenden erhielten Cannabis-basierte Präparate oder Placebo über Zeiträume von 2 bis 26 Wochen. Nur vier Studien erfüllten die Empfehlung der EU-Arzneimittelbehörde EMA von mindestens 12 Wochen Laufzeit.

Untersucht wurden Präparate mit überwiegend Tetrahydrocannabinol (THC), Präparate mit überwiegend Cannabidiol (CBD) und Kombinationspräparate mit THC und CBD. Über alle Wirkstoffgruppen hinweg fanden die Forschenden keine verlässlichen Belege, dass Cannabis-haltige Arzneimittel neuropathische Schmerzen besser lindern als ein Placebo. Außerdem wiesen die Studien erhebliche methodische Mängel auf. Mit Blick auf Kombinationspräparate mit THC und CBD fanden die Forschenden heraus: Von 1000 Patient:innen, die ein solches Präparat genommen hatten, schätzten am Studienende 268 ihren Zustand als "viel besser" ein. Zum Vergleich, bei Patient:innen, die ein Placebo verabreicht bekommen hatten, waren es 197.  Die Cochrane-Autor:innen halten diesen Unterschied für gering.

Inwieweit die Ergebnisse der Studien auf typische Schmerzpatient:innen übertragbar sind, ist unklar, denn Menschen mit psychischen Erkrankungen sowie mit schweren Begleiterkrankungen wurden ausgeschlossen.

Unerwünschte Wirkungen wurden in den Studien sehr unterschiedlich erfasst und berichtet und hing von der Datenerhebung ab. Insgesamt lässt sich die Sicherheit von Cannabis-haltigen Medikamenten bislang nicht verlässlich beurteilen. Allerdings zeigt der aktuelle Cochrane Review Verträglichkeitsprobleme.

So berichteten beispielsweise die Patienten mit den THC/CBD-Kombi-Präparaten (zwei Drittel) von deutlich mehr unerwünschten Wirkungen auf das Nervensystem als Patient:innen, die ein Placebo (ein Viertel) erhalten hatten. Dazu zählten Schwindel, Gleichgewichtsstörungen, Schläfrigkeit sowie Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Verwirrtheit, und psychotische Symptome oder Hinweise auf eine Abhängigkeitsentwicklung wurden bei rund 11 % der Teilnehmenden in den THC/CBD-Gruppen und rund 3 % in den Placebo-Gruppen berichtet. Wegen unerwünschter Wirkungen brachen zudem in der THC/CBD-Gruppe deutlich mehr Teilnehmende die Therapie ab als in der Kontrollgruppe, 118 von 1000 im Vergleich zu 68.

Weil die meisten Studien nur wenige Wochen dauerten und das nach EMA-Einschätzung für diese chronische Erkrankung zu kurz ist, lässt sich nicht zuverlässig beurteilen, welchen potenziellen Nutzen oder Schaden Cannabis-Medikamente haben, wenn Patient:innen mit Nervenschmerzen sie langfristig anwenden.