Laut Studie hätten etwa 8 bis 12 % der Paare weltweit Fruchtbarkeitsprobleme. Als eine Ursache sehen die Forscher:innen die altersbedingte Unfruchtbarkeit: Viele Frauen möchten erst in deutlich höherem Alter als früher Kinder bekommen und dann klappt es nicht mit einer Schwangerschaft. Vor allem in wohlhabenderen Ländern würden Frauen im Mittel später Kinder bekommen. Insbesondere Frauen im Alter zwischen 35 und 49 Jahren seien betroffen. Die Diagnosen von Unfruchtbarkeit hätten in dieser Gruppe zwischen 1990 bis 2023 weltweit deutlich zugenommen – von rund 27 Millionen auf fast 54 Millionen.
"Menschen bekommen Kinder in höherem Alter aufgrund längerer Studienzeiten, wirtschaftlicher Unsicherheit und Jugendarbeitslosigkeit", erläutert Eva Beaujouan, Professorin für Demografie von der Universität Wien, gegenüber dem deutschen Science Media Center. In jüngeren Jahren werde anderen Aktivitäten wie etwa der Karriere oder Reisen Vorrang eingeräumt. Auch die höhere Lebenserwartung und Veränderungen bei Werten und Einstellungen seien laut der Professorin Einflussfaktoren. Sie selbst war nicht an der Studie beteiligt. Zwar lasse sich der Trend vermutlich nicht umkehren – aber vielleicht stabilisieren. Dafür müsse ein Staat ausreichend in verlässliche Kinderbetreuung und unterstützende Infrastruktur investieren, "sodass jede Person, die Kinder haben möchte, dies in dem von ihr gewünschten Alter tun kann".
Die Eizellreserve und die Qualität der Eizellen nehmen ab einem Alter von 35 Jahren deutlich ab, erklärt Beda Hartmann von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien. Sie geht davon aus, dass das Interesse an sogenanntem Social Egg Freezing (das vorsorgliche Einfrieren unbefruchteter Eizellen für eine Schwangerschaft zu einem späteren Zeitpunkt) in den nächsten Jahren zunehmen wird. "Der Erfolg einer Schwangerschaft ist maßgeblich abhängig vom Alter der Eizelle." Empfehlenswert sei es, die Eizellen bereits mit 25 Jahren einzufrieren.
Das Forschungsteam um Yuanyuan Du von der Universitätsklinik Chongqing hatte für die Studie (über eine Suche in Fachliteratur und Datenbanken) Angaben aus 204 Ländern und Regionen von 1990 bis 2023 ausgewertet. Da Methodik und insbesondere die Hochrechnung nicht ausreichend beschrieben seien, lasse sich nur schwer beurteilen, wie präzise die präsentierten Werte tatsächlich seien, gab die Wiener Expertin Beaujouan einschränkend zu bedenken. Zweifel habe sie unter anderem an den Daten aus Österreich, da sie viel zu hoch wirkten.
Die Studie wurde im Fachjournal "The Lancet Obstetrics, Gynaecology, & Women's Health" publiziert.