"Nicht die wohnortnahe Hausarztpraxis wird gestärkt, sondern ein massiv subventioniertes Parallelmodell. Das ist eine klare Wettbewerbsverzerrung", kritisiert MR Dr. Angelika Reitböck, Präsidentin des ÖHV. "Klassische Kassenordinationen tragen ihr unternehmerisches Risiko selbst, PVZ werden mit erheblichen öffentlichen Mitteln gefördert. Gleiche Leistungen – völlig unterschiedliche Rahmenbedingungen."
Dabei würden gerade die freiberuflichen Hausarztpraxen seit Jahrzehnten den Großteil der medizinischen Grundversorgung sichern. Zeitgleich steigen ihre Belastungen kontinuierlich: mehr Patient:innen, zusätzliche Leistungen aus den Spitälern, zunehmende Bürokratie, unbesetzte Kassenstellen und Honorarlimitierungen.
Für den ÖHV sei es besonders unverständlich, dass Millionenbeträge in den Ausbau von PVZ fließen, während bestehende Kassenordinationen keinerlei vergleichbare Investitionsförderung erhalten. "Mit einer normalen Kassenhonorierung wären viele PVZs wirtschaftlich gar nicht zu betreiben. Die klassische Hausarztpraxis muss dagegen ohne Subventionen auskommen", weist Reitböck hin.
Der Verband warnt davor, ein bewährtes Versorgungssystem schrittweise durch ein kostenintensives Fördermodell zu ersetzen. Damit würden mit der klassischen Hausarztpraxis langfristige Arzt-Patienten-Beziehungen, wohnortnahe Versorgung, freie Arztwahl und die freiberufliche Unabhängigkeit medizinischer Entscheidungen entscheidend geschwächt. Auch hinsichtlich der Versorgungssicherheit sieht der ÖHV Risiken: Fällt eine Einzelpraxis aus, können umliegende Ordinationen einspringen. Fällt jedoch ein großes PVZ aus, kann eine ganze Region gleichzeitig betroffen sein.
Seitens des ÖHV wird daher eine Modernisierung des Kassenvertrags, eine faire und inflationsangepasste Honorierung, der Abbau von Honorarlimitierungen und Bürokratie sowie Investitionsförderungen auch für bereits bestehende Hausarztpraxen gefordert. "Wir sind nicht gegen Reformen. Aber Reformen dürfen nicht bedeuten, dass ein funktionierendes System durch ein staatlich subventioniertes Modell verdrängt wird. Moderne Kassenmedizin braucht faire Wettbewerbsbedingungen – keine politischen Gewinner und Verlierer", betont Reitböck abschließend.