Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Sozialversicherung baut Prävention und Früherkennung weiter aus

Die Sozialversicherung investiert zunehmend in Gesundheitsförderung und Früherkennung. Zwischen 2023 und 2025 stiegen die Präventionsausgaben um 21 % und damit stärker als die Ausgaben für die Krankenversorgung. Eine erstmals vorgelegte Präventionsbilanz zeigt den Ausbau von Impfprogrammen, Vorsorgeuntersuchungen und Screeningangeboten.

Der Dachverband der Sozialversicherungsträger hat erstmals eine umfassende Präventionsbilanz vorgelegt. Diese soll die Aufwendungen für Gesundheitsförderung und Prävention über alle Sozialversicherungszweige hinweg transparent darstellen und ihre Entwicklung nachvollziehbar machen. Demnach investierten Kranken-, Unfall- und Pensionsversicherung gemeinsam rund 4,4 Milliarden Euro in präventive Maßnahmen.

Zwischen 2023 und 2025 stiegen die Ausgaben für Gesundheitsförderung und Prävention um 21 % und damit stärker als die Ausgaben für die Krankenversorgung (+17 %). Besonders deutlich fiel der Anstieg bei Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Primärprävention aus, deren Finanzierung um 33 % zunahm. Die Investitionen in die Sekundärprävention, also Maßnahmen der Früherkennung, stiegen um 21 %. Aus Sicht der Sozialversicherung unterstreichen diese Zahlen den zunehmenden Stellenwert präventiver Strategien angesichts demografischer Herausforderungen und der steigenden Prävalenz chronischer Erkrankungen.

Zu den wesentlichen Maßnahmen der vergangenen Jahre zählt die Erweiterung öffentlicher Impfprogramme. Seit 2024 beteiligt sich die Sozialversicherung mit jährlich 30 Millionen Euro am Erwachsenenimpfprogramm, das unter anderem Impfungen gegen Influenza, HPV, Herpes zoster und Pneumokokken umfasst.

Auch die betriebliche Gesundheitsförderung wurde weiter ausgebaut. Nach Angaben der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) werden mittlerweile mehr als 4.000 Betriebe mit rund 750.000 Beschäftigten betreut. 

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Bewegungsförderung und Adipositasprävention. Das Bewegungsprogramm "Bewegt im Park" erreichte 2025 österreichweit mehr als 134.000 Teilnehmer:innen. Für Kinder und Jugendliche mit Übergewicht oder Adipositas wurde zudem das ÖGK-Programm "Easykids" weiter ausgebaut, das Familien bei der langfristigen Umsetzung eines gesundheitsförderlichen Lebensstils unterstützen soll.

Die Ausgaben für Krankheitsfrüherkennung wurden seit 2023 um 21 % erhöht. Dazu zählen unter anderem die Vorsorgeuntersuchung, die Jugendlichenuntersuchung für Lehrlinge, Krebsfrüherkennungsprogramme sowie der Eltern-Kind-Pass.

Besonders die allgemeine Vorsorgeuntersuchung verzeichnete einen deutlichen Zuwachs: Im Jahr 2025 nahmen rund 1,5 Millionen Menschen daran teil. Damit wurde erstmals eine Teilnahmequote von 20 % der Bevölkerung erreicht. Gegenüber 2023 entspricht dies einer Steigerung von 13,4 %. Auch das gynäkologische Untersuchungsprogramm innerhalb der Vorsorgeuntersuchung wurde häufiger in Anspruch genommen; die Zahl der Untersuchungen stieg um 31,7 %. Bei der Jugendlichenuntersuchung wurden rund 27.000 Lehrlinge erreicht. Die Teilnahmerate lag bei 73,6 % der anspruchsberechtigten Jugendlichen und damit höher als in den Vorjahren.

Ein wesentlicher Teil der Sekundärprävention entfällt auf die Krebsfrüherkennung. Für Mammographie, PAP-Abstrich und Muttermalkontrollen wurden die finanziellen Mittel gegenüber 2023 jeweils um mehr als 20 % erhöht. Die Sozialversicherung sieht insbesondere organisierte Screeningprogramme mit strukturierten Einladungsverfahren als wirksames Instrument, um Erkrankungen früher zu erkennen und Behandlungsverläufe positiv zu beeinflussen.

Als bedeutenden Schritt bezeichnet die Sozialversicherung zudem die Weiterentwicklung des Eltern-Kind-Passes. Ab Oktober 2026 werden zusätzliche Leistungen eingeführt, darunter ein Gesundheitsgespräch, eine weitere Hebammenberatung, ein zusätzlicher Ultraschall sowie eine allgemein- und familienmedizinische Untersuchung. Außerdem sollen Risikofaktoren, etwa für Gestationsdiabetes, früher erkannt werden. Die finanziellen Auswirkungen dieser Erweiterungen werden sich allerdings erst in den Präventionsausgaben ab 2027 abbilden.

Im internationalen Vergleich liegen die Pro-Kopf-Ausgaben für Prävention in Österreich auf einem ähnlichen Niveau wie in Deutschland und der Schweiz. Während Österreich bei den Präventionsausgaben pro Kopf vor der Schweiz liegt, besteht gegenüber Deutschland weiterhin Aufholbedarf. Gleichzeitig weist Österreich seit 2019 eine stärkere Wachstumsdynamik bei den Präventionsausgaben auf als beide Vergleichsländer.