Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Hauterkrankungen nehmen durch Klimawandel zu

Der Klimawandel macht sich zunehmend auch in der Dermatologie bemerkbar. Laut einer internationalen Studie berichten mehr als 40 % der untersuchten Länder über Veränderungen bei Häufigkeit oder Schwere von Hauterkrankungen.

Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auf die Hautgesundheit aus. Eine internationale Studie mit Daten aus 136 Ländern zeigt, dass sich in vielen Regionen der Welt Häufigkeit und Schwere von Hauterkrankungen bereits verändert haben. Besonders betroffen sind Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Die Ergebnisse wurden von Esther Freeman von der Harvard Medical School beim Kongress der European Academy of Dermatology and Venereology (EADV) vorgestellt.

"Wir denken oft an die Auswirkungen extremer Wetterereignisse auf Hitzschlag, Herz-Kreislauf-Probleme und Atemwegserkrankungen, aber die Haut ist unsere erste Verteidigungslinie gegen den Klimawandel", betonte Freeman. Steigende Temperaturen, häufigere Extremwetterereignisse, veränderte Niederschlagsmuster, klimabedingte Migration und ökologische Veränderungen könnten die Hautgesundheit auf vielfältige Weise beeinträchtigen.

Höhere Temperaturen und eine steigende Luftfeuchtigkeit fördern Hautirritationen und hitzebedingte Dermatosen. Gleichzeitig können Hitze, Luftverschmutzung und andere Umweltfaktoren entzündliche Hauterkrankungen verschlechtern oder deren Auftreten begünstigen. Zudem verändern Temperatur- und Niederschlagsverschiebungen die Lebensräume von Krankheitsüberträgern wie Mücken und Zecken, wodurch vektorübertragene Erkrankungen auch in bislang wenig betroffenen Regionen auftreten könnten.

Grundlage der Analyse ist das Projekt "Global Access to Skin Health Observatory" (SkinObservatory). Vertreter:innen aus 194 Mitgliedstaaten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden zur Teilnahme eingeladen. Schließlich flossen Daten aus 136 Ländern aller vier Einkommensgruppen der Weltbank in die Auswertung ein. Insgesamt berichteten 42,6 % der teilnehmenden Länder, dass sich Prävalenz und/oder Schweregrad von Hauterkrankungen infolge des Klimawandels verändert hätten.

Von den 58 Ländern, die klimabedingte Auswirkungen auf Hauterkrankungen meldeten, berichteten 81,0 % über eine Zunahme von Hitzeausschlägen, 75,9 % über mehr entzündliche Hauterkrankungen, 62,1 % über Veränderungen bei Infektionskrankheiten, 50,0 % über Veränderungen bei vektorübertragenen Erkrankungen und 20,7 % über Hautprobleme im Zusammenhang mit Vertreibung oder Migration.

Besonders auffällig waren die Unterschiede nach Einkommensniveau. Mehr als die Hälfte der Länder mit niedrigem Einkommen (55,6 %) sowie der Länder mit niedrigem mittlerem Einkommen (52,5 %) berichtete über klimabedingte Veränderungen von Hauterkrankungen. In Ländern mit höherem mittlerem Einkommen lag dieser Anteil bei 43,8 %, in Ländern mit hohem Einkommen bei 28,3 %. Nach Ansicht der Autor:innen weist dies auf eine globale Ungleichheit hin. Gerade jene Länder, die am wenigsten zum Klimawandel beitragen, berichten häufiger über gesundheitliche Folgen für die Haut. Gleichzeitig verfügen viele dieser Staaten über weniger Ressourcen und einen eingeschränkten Zugang zu dermatologischer Versorgung.

Auch regional zeigten sich deutliche Unterschiede. Die höchsten Anteile meldeten Länder der Westpazifik-Region (64,7 %), gefolgt vom östlichen Mittelmeerraum und Südostasien (jeweils 60,0 %). In der europäischen WHO-Region berichteten dagegen lediglich 16,1 % der Länder über klimabedingte Veränderungen bei Hauterkrankungen. Für die afrikanische Region fiel zudem auf, dass 42,9 % der Befragten keine Einschätzung zu den Auswirkungen des Klimawandels auf Hauterkrankungen abgeben konnten. Dies könnte auf Defizite in der epidemiologischen Überwachung und Datenlage hinweisen.

Angesichts der Ergebnisse fordern die Forscher:innen eine stärkere Überwachung klimabedingter Veränderungen der Hautgesundheit, mehr Aufklärung von Gesundheitsfachkräften und Bevölkerung sowie regional angepasste Präventions- und Versorgungsstrategien. "Wir müssen damit beginnen, die Hautgesundheit als Teil der Vorsorge im Bereich Klima und Gesundheit zu betrachten", betonte Freeman. Insbesondere in ressourcenarmen Regionen dürfte die Stärkung dermatologischer Versorgungsstrukturen künftig eine zentrale Herausforderung darstellen.