Die Zahl der bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) dokumentierten Adipositasdiagnosen bei Kindern und Jugendlichen ist innerhalb von zwei Jahren deutlich gestiegen. Wurden 2023 noch 775 Fälle erfasst, waren es 2025 bereits 1.415. Gleichzeitig hat sich die Zahl der ambulant behandelten Kinder und Jugendlichen mit Adipositas von 503 im Jahr 2024 auf 1.047 im Jahr 2025 mehr als verdoppelt. Besonders viele Diagnosen wurden zuletzt in der Steiermark und in Salzburg dokumentiert. Die Daten beziehen sich auf ÖGK-versicherte Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren.
Die aktuellen ÖGK-Zahlen fügen sich in die Ergebnisse der österreichischen Teilnahme an der WHO-Initiative "Childhood Obesity Surveillance Initiative" (COSI) ein. Demnach sind bereits in der dritten Schulstufe rund ein Drittel der Buben und etwa ein Viertel der Mädchen von Übergewicht oder Adipositas betroffen. Gleichzeitig wurden in Schulen Verbesserungen beim Angebot von Obst und Gemüse sowie bei gesundheitsfördernden Maßnahmen beobachtet.
Die COSI-Studie gilt als das wichtigste europäische Surveillance-Programm zur Erfassung von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter. In der sechsten Erhebungsrunde wurden Daten von mehr als 470.000 Kindern aus 37 Ländern erhoben. Europaweit leben etwa 25 % der 7- bis 9-Jährigen mit Übergewicht oder Adipositas; rund 11 % sind von Adipositas betroffen. Jungen weisen dabei höhere Prävalenzen auf als Mädchen.
Vor dem Hintergrund zunehmender Bildschirmzeit verweist die ÖGK auf die Bedeutung regelmäßiger körperlicher Aktivität. Für Kinder und Jugendliche zwischen sechs und 18 Jahren werden täglich mindestens 60 Minuten Bewegung mit mittlerer bis hoher Intensität empfohlen. Kindergartenkinder sollten insgesamt mindestens drei Stunden täglich körperlich aktiv sein, davon mindestens eine Stunde mit mittlerer bis hoher Intensität. Als geeignete Aktivitäten gelten neben Vereinssport auch Alltagsbewegungen wie Gehen, Radfahren, Tanzen oder Fangenspiele.
"Gaming und Zeit vor dem Bildschirm gehören für viele Kinder und Jugendliche heute zum Alltag. Entscheidend ist jedoch nicht das einzelne Computerspiel. Für ein gesundes Aufwachsen sollten in der Freizeit Bewegung, Zeit für Freunde und für kreative Aktivitäten immer an erster Stelle stehen", betonte die ÖGK-Kinderärztin Gabriele Berger. Bewegung fördere nicht nur die körperliche Gesundheit, sondern wirke sich auch positiv auf Konzentration, Selbstbewusstsein und psychisches Wohlbefinden aus.