In Europa und den USA werden Protonenpumpeninhibitoren (PPI) häufig über zu lange Zeiträume oder ohne klare Indikation verordnet. Dies ist mit einer Reihe potenzieller unerwünschter Effekte assoziiert, darunter ein erhöhtes Risiko für renale Komplikationen, Infektionen, Frakturen sowie kardiovaskuläre Ereignisse bis hin zu einer gesteigerten Gesamtmortalität. Zudem entstehen vermeidbare Gesundheitskosten.
Vor diesem Hintergrund wurden verschiedene Strategien zur Deeskalation untersucht. Bereits frühere Arbeiten zeigen, dass Interventionen besonders erfolgreich sind, wenn sie Patient:innen aktiv einbeziehen.
Dies wird durch die Ergebnisse einer 3-armigen randomisierten Studie aus Frankreich gestützt. Ziel war es, unter laufender PPI-Therapie eine Dosisreduktion zu erreichen:
- Interventionsarm 1: Kombination aus Patienten- und Arztansprache. Patient:innen erhielten eine schriftliche Information zur PPI-Reduktion; parallel erhielten die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einen Brief mit einem praxisnahen Deeskalationsalgorithmus.
- Interventionsarm 2: Ausschließlich ärztliche Intervention (Informationsschreiben mit Algorithmus).
- Kontrollarm: Übliche Versorgung ohne zusätzliche Intervention.
Die Ergebnisse zeigten, dass eine direkte Patienteninformation einen relevanten Effekt hat. In der kombinierten Interventionsgruppe konnte bei 14,9 % der Teilnehmenden die jährliche PPI-Dosis auf ≤ 50 % des Ausgangswertes reduziert werden. In der Kontrollgruppe lag dieser Anteil bei 7,0 %, im reinen Arztinterventionsarm bei 7,7 %.
Ein Wiederauftreten von Refluxsymptomen wurde nach einem Jahr einmalig erhoben. Hierbei ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Gruppen.
Obwohl die absolute Reduktionsrate von etwa 15 % moderat erscheint, ist zu berücksichtigen, dass der Fokus der Studie auf hoher Praxistauglichkeit und systemweiter Implementierbarkeit lag. Eine strikte Selektion mit Ausschluss aller gerechtfertigten PPI-Verordnungen erfolgte nicht.