Hausärzt:in 05/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Leitlinie zur Diabetesversorgung umfassend aktualisiert

Die Österreichische Diabetes Gesellschaft (ÖDG) hat ihre Leitlinien aktualisiert und auf der ÖDG-Frühjahrstagung vorgestellt.

Die aktualisierte Leitlinie deckt das gesamte Spektrum der Diabetologie ab, von Klassifikation, Diagnostik und Prävention über moderne antihyperglykämische Therapiestrategien bis hin zu akuten Stoffwechselentgleisungen, speziellen Patientengruppen (inkl. Kinder und Jugendliche) sowie mikro- und makrovaskulären Komplikationen wie Neuropathie oder Nephropathie. Ziel war es, evidenzbasierte Empfehlungen klar strukturiert und unmittelbar im klinischen Alltag umsetzbar aufzubereiten.

Die Empfehlungen berücksichtigen die dynamische Entwicklung des Fachgebiets, insbesondere in den Bereichen medikamentöse Therapie, Adipositasmedizin, kardiorenale Prävention, Herzinsuffizienz, chronische Nierenerkrankung und Diabetestechnologie. Neue Evidenz zu kontinuierlicher Glukosemessung (CGM), automatisierten Insulinabgabesystemen (AID) sowie gewichtsorientierten Therapieansätzen wurde integriert.

Zugrunde liegen insbesondere große randomisierte prospektive Studien mit kardiovaskulären und renalen Endpunkten. Aktuelle Daten zu GLP‑1-Rezeptoragonisten, dualen GIP/GLP‑1-Agonisten (inkl. Tirzepatid) und SGLT‑2-Hemmern sowie zur Therapie der Herzinsuffizienz und chronischen Nierenerkrankung sind in die Empfehlungen eingeflossen. Inhaltlich erweitert wurden unter anderem:

  • die Differenzialdiagnostik zwischen Typ‑1- und Typ‑2-Diabetes inklusive MODY,
  • die Priorisierung des Gewichtsmanagements als zentrales Therapieziel,
  • die Berücksichtigung der metabolisch assoziierten Fettlebererkrankung als Kriterium für Therapieentscheidungen.

Im Bereich der Diabetestechnologie wird AID für alle Menschen mit Typ‑1-Diabetes empfohlen. Zudem wurden die Indikationen für CGM erweitert und vernetzte Insulinpens (Connected Pens) bewertet.

Neue Interventionsstudien zur Blutdruckkontrolle führten zu einer Anpassung der Zielwerte: Für die meisten Patient:innen mit Diabetes wird nun ein Zielblutdruck von 120–129/70–79 mm Hg empfohlen, weiterhin unter klarer Betonung der individuellen Therapieanpassung.

Ein eigenes Kapitel adressiert Patient:innen mit Migrationshintergrund und ergänzt die allgemeinen Leitlinienempfehlungen um praxisrelevante Aspekte wie Barrieren im Zugang zur Versorgung, kultursensible Schulung, Ernährung sowie Therapieanpassungen, etwa während des Ramadan.

Die Leitlinie verfolgt konsequent einen ganzheitlichen Ansatz. Neben der glykämischen Kontrolle stehen Organprotektion, Gewichtsreduktion, Lebensqualität und Prognoseverbesserung im Fokus.

Ziel ist es, die Versorgung von Menschen mit Diabetes in Österreich weiter zu verbessern und eine evidenzbasierte, praxisnahe Grundlage für klinische Entscheidungen bereitzustellen.