Hausärzt:in 7-8/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Positive Bilanz der Ausbildungsevaluierung

Die Österreichische Ärztekammer präsentierte die Ergebnisse der Ausbildungsevaluierung 2026. Erstmals nahmen mehr als 6.000 Ärzt:innen in Ausbildung teil. Die Ausbildungsqualität wird besser bewertet als in den Vorjahren, Defizite bestehen jedoch weiterhin bei der Einarbeitung.

Die Ausbildung von Ärzt:innen in Österreich wird weiterhin zunehmend positiv bewertet. Das zeigt die aktuelle Ausbildungsevaluierung der Bundeskurie angestellte Ärzte (BKAÄ) der Österreichischen Ärztekammer (ÖÄK), die gemeinsam mit der ETH Zürich und HF Partners durchgeführt wurde. An der Befragung mittels Print-Fragebogen nahmen 2026 erstmals mehr als 6.000 Ärzt:innen in Ausbildung teil. Die Rücklaufquote stieg von 59 % im Vorjahr auf 60,4 %.

Verbesserungen zeigten sich in allen acht abgefragten Bewertungsdimensionen, darunter Gesamtbeurteilung der Ausbildungsstätte, Lern- und Fehlerkultur, Führungskultur sowie evidenzbasierte Medizin. "In allen acht Bereichen gab es Verbesserungen", betonte ÖÄK-Vizepräsident und BKAÄ-Obmann Daniel von Langen. Besonders erfreulich sei, dass inzwischen 49,5 % der bewerteten Ausbildungsstätten mindestens 5 von 6 möglichen Punkten erreichen: "Damit ist aktuell quasi jede zweite Abteilung ein potentieller Vorzugsschüler." Gleichzeitig sank der Anteil der Ausbildungsstätten mit unzureichenden Bewertungen auf 10,9 %. Für von Langen ist die Entwicklung eindeutig: "Die Ausbildungsevaluierung wirkt also qualitätsverbessernd und hat die Zufriedenheit bei den Ärzt:innen in Ausbildung gesteigert."

Wie bereits in den Vorjahren wurde die Ausbildung in der Allgemeinmedizin am besten bewertet. Die Lehrpraxis mit ihrer engen 1:1-Betreuung erreichte 5,32 von 6 Punkten. Besonders deutlich fiel zudem die Verbesserung im Bereich evidenzbasierte Medizin aus, der erstmals einen Wert von über vier Punkten (4,04) erzielte.

Auch aus Sicht der wissenschaftlichen Begleitung zeigt sich ein positiver Trend. Michael Siegrist von der ETH Zürich erklärte: "Die Resultate der Ausbildungsevaluierung 2026 zeigen eine erfreuliche Entwicklung." Die Rücklaufquote sei seit 2023 kontinuierlich gestiegen, sechs der neun Bundesländer hätten mittlerweile Werte von über 60 % erreicht. Gleichzeitig habe sich die Gesamtbeurteilung verbessert, wobei die Dimension "evidence based medicine" die stärksten Zuwächse verzeichne. Zudem würden kleinere Ausbildungsstätten und Lehrpraxen tendenziell besser bewertet.

Neben den acht Standarddimensionen wurden in diesem Jahr die Themen Onboarding und Arbeitsplatzwahl untersucht. Beim Onboarding offenbarte die Befragung deutlichen Verbesserungsbedarf: Ein Viertel der Teilnehmer:innen gab an, zu Beginn nicht ausreichend in administrative und organisatorische Abläufe sowie die dafür notwendigen Systeme eingewiesen worden zu sein. Rund 40 % hatten den Arbeitsvertrag vor Dienstantritt nicht erhalten, und 52 % bekamen keinen detaillierten Ausbildungsplan ausgehändigt, obwohl dieser gemäß Ärzteausbildungsordnung verpflichtend ist.

"Das sind aus meiner Sicht keine zufriedenstellenden Ergebnisse", sagte Kim Haas, Stellvertreterin des Bundeskurienobmanns und Turnusärztevertreterin der ÖÄK. Insbesondere die Einarbeitungsphase müsse verbessert werden. Zudem fühle sich etwa jede:r dritte Befragte in den ersten zwölf Monaten nicht ausreichend auf die ärztlichen Aufgaben vorbereitet.

Haas appellierte daher an die Spitalsträger, die Einführung neuer Mitarbeiter:innen stärker in den Fokus zu rücken: "Wir appellieren daher an die Spitalsträger, mehr Fokus auf die Einführungsphase in den Spitälern zu legen, Ausbildung ernst zu nehmen und der nachrückenden Ärzte-Generation von Anfang an das nötige Know-how weiterzugeben."

Bei der Wahl des Arbeitsplatzes nannten die Befragten vor allem das medizinische Leistungsspektrum und die fachlichen Inhalte als entscheidende Faktoren. Für 76 % waren diese eher oder sehr wichtig. Es folgten der Wohnort (67 %) und die Wartezeit bis zum Stellenantritt (62 %). Für Haas unterstreichen die Ergebnisse die hohe Motivation des ärztlichen Nachwuchses: "Das zeigt, dass unsere jungen Ärzt:innen arbeiten und lernen wollen – und zwar sofort."

Die Ergebnisse der Evaluierung finden Sie hier.