An der EPoS-II-Studie nahmen 10.799 Patient:innen aus acht europäischen Ländern teil. Eingeschlossen wurden Personen nach vollständiger Resektion von Hochrisiko-Adenomen. Hierzu zählten unter anderem größere Adenome, histologisch fortgeschrittene Läsionen sowie das gleichzeitige Vorliegen mehrerer Adenome. Die Teilnehmer:innen wurden dann randomisiert zwei Nachsorgearmen zugeteilt. Die erste Surveillance-Koloskopie erfolgte entweder nach drei Jahren oder nach fünf Jahren.
Nach fünf Jahren betrug die kumulative Inzidenz eines kolorektalen Karzinoms 0,77 % in der 5-Jahres-Gruppe und 0,82 % in der 3-Jahres-Gruppe. Damit wurde das vorab definierte Kriterium der Nicht-Unterlegenheit für das verlängerte Surveillance-Intervall erreicht. Auch hinsichtlich des Tumorstadiums zum Diagnosezeitpunkt fanden sich keine relevanten Unterschiede zwischen den Gruppen. Insgesamt verstarben fünf Patient:innen an einem kolorektalen Karzinom, drei Personen (0,06 %) in der 5-Jahres-Gruppe und zwei Personen (0,04 %) in der 3-Jahres-Gruppe.
Das verlängerte Kontrollintervall führte zudem zu einer deutlichen Reduktion des Untersuchungsaufwands. In der 5-Jahres-Gruppe wurden im Beobachtungszeitraum rund 49 % weniger Koloskopien durchgeführt.
"Unsere Ergebnisse sprechen dafür, die derzeitigen Surveillance-Intervalle nach Resektion von Hochrisiko-Adenomen zu überdenken. Sollten sich die Daten in der Langzeitbeobachtung bestätigen, könnten Patient:innen unnötige Kontrollkoloskopien erspart werden, ohne dass dies zulasten der Sicherheit geht. Voraussetzung bleibt eine qualitativ hochwertige Indexkoloskopie mit vollständiger Detektion und Resektion aller relevanten Läsionen", sagt Monika Ferlitsch, Leiterin der Abteilung für Innere Medizin mit Gastroenterologie, Akutgeriatrie/Remobilisation an der Klinik Floridsdorf und Ko-Autorin der Studie.
Bei den jetzt publizierten Ergebnissen handelt es sich um eine vorab geplante 5-Jahres-Zwischenanalyse. Die primäre Langzeitauswertung nach zehn Jahren steht noch aus und wird entscheidend für die endgültige Beurteilung sein, ob ein 5-jähriges Surveillance-Intervall nach Resektion von Hochrisiko-Adenomen langfristig eine vergleichbare Sicherheit gewährleistet wie das bisher empfohlene 3-Jahres-Intervall.