Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Pioniere und Wegweiser der minimal invasiven Kopf-Halschirurgie

Der Narrenturm beherbergt heute die pathologisch‑anatomische Sammlung der Wiener Medizinischen Schule und bietet damit ein außergewöhnliches Ambiente, um mehr über die Medizingeschichte der Hals‑, Nasen‑ und Ohrenheilkunde zu lernen.   

Dr. Herwig Swoboda organisiert eine ebenso interessante wie anspruchsvolle Fortbildungsveranstaltung (3 DFP‑Punkte) zur Medizingeschichte der Hals‑, Nasen‑ und Ohrenheilkunde. Über mehrere Jahrhunderte werden historischen Persönlichkeiten prägnante klinische Fallbeispiele und zentrale wissenschaftliche Innovationen vorgestellt, die zeigen, wie sich aus Einzelfällen, anatomischen Beobachtungen und technischen Neuerungen die moderne HNO‑Heilkunde entwickelt hat.

Anhand historischer Krankheitsverläufe wie der chronischen myeloischen Leukämie Rainer Maria Rilkes mit schwerer Stomatitis ulceromembranacea oder der Schädelverletzung des Don Carlos im Jahr 1562, dokumentiert von Dionisio Daza Chacón, wird die frühe systematische Auseinandersetzung mit Diagnose und Therapie nachvollziehbar. Diese Beispiele bilden den Ausgangspunkt für die Darstellung jener Persönlichkeiten, die das Fach nachhaltig prägten, darunter Oskar Kleinsasser, Walter Messerklinger, Giuseppe Gradenigo und Carolus Clusius.

Kleinsasser führte die Mikrolaryngoskopie zur klinischen Reife und knüpfte dabei an grundlegende Vorarbeiten früherer Pioniere an. Alexander Aloys erweiterte ihr Einsatzspektrum durch die Hochfrequenz‑Jet‑Ventilation. Gradenigos Beschreibung der otogenen Abduzensparese im Jahr 1904 führte zu intensiven anatomisch‑pathophysiologischen Diskussionen, die eng mit der Beschreibung der Abduzensbrücke durch Wenzel Gruber verbunden sind. Parallel dazu entwickelten sich operative Techniken wie die Petroapikotomie weiter, die von Jacques Ramadier, Siegfried Unterberger und Otto Novotny maßgeblich geprägt wurden.

Die Wiener Schule der Otologie erreichte mit Robert Bárány, Nobelpreisträger für Medizin 1914, internationale Bedeutung, während Otto Mayer mit seiner Kallustheorie der Otosklerose neue pathophysiologische Perspektiven eröffnete. Ergänzt wird dieser wissenschaftliche Fokus durch einen humanistischen Blick auf Medizin und Kultur, etwa durch Philippe Pinel, René Laënnec und Carl Maria von Weber, die jeweils für eine vertiefte persönliche Zuwendung in ihren Disziplinen stehen.

Besondere Aufmerksamkeit gilt zudem Carolus Clusius, dem Begründer der Mykologie, dessen Erkenntnisse indirekt in die moderne endoskopische Nasennebenhöhlen‑Chirurgie von Walter Messerklinger und Heinz Stammberger einflossen, die neben der mukoziliären Topographie auch die Keimung und Ausbreitung von Pilzen wie Aspergillus und Mucor berücksichtigte. Abgerundet wird der historische Überblick durch einen Blick auf die Anfänge des systematischen medizinischen Unterrichts bei Mondino de’ Liuzzi, dessen Einfluss bis zu Leonardo da Vinci und vermutlich auch zu Dionisio Daza Chacón reichte. So entsteht ein geschlossenes Bild der HNO‑Heilkunde als Fach, das sich aus Erfahrung, Wissenschaft und humanistischem Denken entwickelt hat.

Mehr Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.