Rund ein Viertel der österreichischen Bevölkerung ist von rheumatologischen Erkrankungen betroffen – und das keineswegs nur im höheren Alter. Entzündliche Erkrankungen wie Arthritis betreffen bis zu knapp 300.000 Menschen, stoffwechselbedingte Erkrankungen wie Gicht sogar rund 325.000. Etwa 460.000 Personen leben mit Osteoporose.
Diese Erkrankungen sind nicht nur weit verbreitet, sondern gehen auch mit erheblichen körperlichen und psychischen Belastungen für die Betroffenen einher und verursachen zudem beträchtliche sozioökonomische Folgen.
Demografische Veränderungen im Sinne einer alternden Gesellschaft, verbesserte Möglichkeiten der Frühdiagnostik sowie moderne Therapien, die die Lebensdauer verlängern, tragen zu einem Anstieg der Prävalenz bei.
Im Vergleich zur Versorgungssituation im Jahr 2023 zeigt sich jedoch kaum Fortschritt. Die Zahl der internistischen Rheumatolog:innen stagniert. Die Versorgung erfolgt weiterhin überwiegend über Spitalsambulanzen, da es nach wie vor an Kassenpraxen mangelt. Große Teile Österreichs, insbesondere ländliche Regionen, sind weiterhin ohne ausreichende rheumatologische Betreuung. Viele Patient:innen müssen daher auf Spitalsambulanzen ausweichen. Der Großteil der niedergelassenen Fachärzt:innen arbeitet als Wahlärzte, im Jahr 2025 gab es österreichweit lediglich 32 Rheumatolog:innen mit Verträgen aller Kassen.
Besonders besorgniserregend dabei ist die Altersstruktur. Rund 45 % der Rheumatolog:innen sind älter als 55 Jahre und werden voraussichtlich innerhalb der nächsten zehn Jahre in Pension gehen. Gleichzeitig steigt das Interesse an Teilzeitmodellen, was die Versorgungssituation zusätzlich verschärfen dürfte.
Moderne Therapien sind zwar wirksam, jedoch zugleich hochkomplex. Da sie in das Immunsystem eingreifen, erfordern sie eine engmaschige Überwachung durch spezialisierte Fachärzt:innen. Sowohl Anamnese und Diagnose als auch insbesondere die Therapieeinstellung und kontinuierliche Kontrolle sind zeitintensiv und verlangen ein hohes Maß an Expertise.
Eine im Rahmen des Reports durchgeführte Umfrage zeigt außerdem deutliche Unterschiede bei den Wartezeiten. Während Termine in Spitalsambulanzen und im Kassenbereich oft mehrere Wochen bis Monate in Anspruch nehmen, berichten 48 % der befragten Wahlärzt:innen von Wartezeiten von lediglich ein bis zwei Wochen. Kassenärzt:innen geben hingegen an, am wenigsten Zeit pro Patient:in zu haben.
Um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden und eine adäquate spezialisierte Versorgung sicherzustellen, sind sowohl mehr gut ausgebildete Rheumatolog:innen als auch ein gezielter Ausbau der kassenärztlichen Strukturen erforderlich. Damit in Zukunft eine adäquate rheumatologische Versorgung garantiert werden kann, fordert die ÖGR daher eine adäquate Honorierung im Kassenbereich. Insbesondere die aufwändigen Kontrollen sowie Beratung und Aufklärung bei immunsuppressiven Therapien und spezifische Leistungen wie die Ultraschalluntersuchung müssen in ganz Österreich einheitlich honoriert werden. Die ÖGR sei bereit, ihre fachliche Expertise einzubringen, um gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.