Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Wie gefährlich ist das Hantavirus?

Nach mehreren Todesfällen auf einem Kreuzfahrtschiff wurde inzwischen bestätigt, dass in einigen Fällen das Hantavirus die Ursache ist. Im Folgenden finden Sie wichtige Informationen zum Ausbruch sowie zum Virus.

Auf dem Expeditionsschiff MV Hondius (ca. 150 Personen an Bord) wurden mehrere Hantavirus-Infektionen registriert. Bislang sind drei Todesfälle dokumentiert (ein niederländisches Ehepaar sowie eine deutsche Patientin). Die WHO berichtet von insgesamt sieben bestätigten bzw. wahrscheinlichen Fällen. Eine mögliche Mensch-zu-Mensch-Übertragung wird diskutiert, ist jedoch derzeit nicht abschließend gesichert und wird von Teilen der Fachwelt kritisch bewertet. 

Bei zwei der verstorbenen Passagiere wurde inzwischen das Andesvirus (ANDV) nachgewiesen, eine südamerikanische Hantavirus-Variante, die als besonders virulent gilt. Hantaviren kommen weltweit vor und nutzen verschiedene Nagetierspezies als Reservoir. Die Viren werden über Urin, Kot und Speichel infizierter Tiere ausgeschieden und können in der Umwelt mehrere Tage infektiös bleiben. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in erster Linie durch das Einatmen kontaminierter Aerosole, darüber hinaus auch über direkten Kontakt mit kontaminiertem Material, etwa über verletzte Haut, oder durch den Verzehr verunreinigter Lebensmittel. Hinweise auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung existieren ausschließlich für das in Südamerika vorkommende Andesvirus.

Die Inkubationszeit beträgt in der Regel zwei bis vier Wochen, kann jedoch bis zu acht Wochen erreichen. Als Hauptreservoir des Andesvirus gilt die Langschwanz-Zwergreisratte. In Europa tritt dieses Virus nicht auf; die hier verbreiteten Hantavirus-Varianten sind nach bisherigem Kenntnisstand nicht zwischen Menschen übertragbar.

Das klinische Bild einer Hantavirus-Infektion variiert je nach geografischer Verbreitung und Virustyp. In Europa und Asien dominiert das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS), das neben Fieber und Allgemeinsymptomen vor allem eine Nierenbeteiligung bis hin zum Nierenversagen verursachen kann. In Nord- und Südamerika hingegen steht das Hantavirus-kardiopulmonale Syndrom (HCPS) im Vordergrund, das initial mit grippeähnlichen Symptomen beginnt und im weiteren Verlauf zu schwerer respiratorischer Insuffizienz, Lungenödem sowie kardiovaskulärem Versagen führen kann.

Die Letalität ist stark vom Virustyp abhängig. Während sie in Europa und Asien meist unter 1 % bis maximal etwa 15 % liegt, kann sie in Südamerika, insbesondere beim Andesvirus, bis zu 40–50 % betragen. Nach Angaben der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde CDC versterben etwa vier von zehn Infizierten beim HCPS. Eine kausale antivirale Therapie steht derzeit nicht zur Verfügung, sodass die Behandlung ausschließlich supportiv erfolgt.

Die Diagnosestellung erfolgt in der Regel serologisch durch den Nachweis spezifischer IgM- und IgG-Antikörper. Ein direkter Virusnachweis mittels PCR ist vor allem in der Frühphase möglich. Ein negatives Ergebnis schließt eine Infektion jedoch nicht sicher aus.

Der aktuelle Ausbruch wird als ungewöhnlich bewertet. Es wird angenommen, dass die Infektionskette möglicherweise von dem niederländischen Ehepaar ausging, das sich bereits vor der Einschiffung in Argentinien infiziert haben könnte. Ob es anschließend zu einer Übertragung an Bord kam oder mehrere Passagiere unabhängig voneinander infiziert wurden, ist derzeit noch nicht abschließend geklärt. Frühere Ausbruchsuntersuchungen zeigen, dass es beim Andesvirus unter bestimmten Bedingungen zu begrenzten Mensch-zu-Mensch-Übertragungen kommen kann, insbesondere bei engem und längerem Kontakt.

Trotz der aktuellen Ereignisse betonen Fachleute die Unterschiede zu hochkontagiösen Atemwegsviren wie SARS-CoV-2. Es handelt sich nicht um ein neuartiges Virus, und auch beim Andesvirus ist die Übertragbarkeit deutlich eingeschränkt. Entsprechend schätzt die WHO das Risiko für die allgemeine Bevölkerung weiterhin als gering ein, während die europäische Gesundheitsbehörde ECDC es für Europa sogar als sehr gering bewertet.

Zur Eindämmung des Ausbruchs werden umfassende Maßnahmen in Zusammenarbeit mit der WHO umgesetzt. Dazu zählen eine aktive Symptomüberwachung über einen Zeitraum von 45 Tagen, konsequente Händehygiene, eine sorgfältige Reinigung und ausreichende Belüftung der Innenräume sowie die Selbstisolierung bei Auftreten von Symptomen. Bei respiratorischen Beschwerden wird zudem das Tragen medizinischer Masken empfohlen. Quarantänemaßnahmen sollen situationsabhängig und risikobasiert entschieden werden.