Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Neuer Therapieansatz für das metastasierte Pankreaskarzinom vor EU-Zulassung

Die EMA hat die Zulassung des RAS-Inhibitors Daraxonrasib für vorbehandelte Patient:innen mit metastasiertem Pankreaskarzinom empfohlen. In der Phase-III-Studie RASolute 302 verlängerte die Therapie das mediane Gesamtüberleben gegenüber Chemotherapie von 6,7 auf 12,4 Monate.

Der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) hat die Zulassung von Daraxonrasib für Erwachsene mit metastasiertem duktalem Adenokarzinom des Pankreas (PDAC) empfohlen, deren Erkrankung nach mindestens einer vorangegangenen Therapie progredient ist. Für diese Patient:innengruppe stehen bislang nur begrenzte Therapieoptionen zur Verfügung. Die Prognose ist ungünstig, während die Wirksamkeit bestehender Chemotherapieregime häufig begrenzt und deren Toxizität erheblich ist.

Die Empfehlung basiert auf einer beschleunigten Bewertung durch die EMA. Das Arzneimittel war im Rahmen des Cancer Medicines Pathfinder Programms als prioritäres Projekt eingestuft worden, da es einen bislang ungedeckten medizinischen Bedarf adressieren könnte. Nach der positiven CHMP-Stellungnahme steht nun noch die endgültige Entscheidung der Europäischen Kommission über die EU-weite Marktzulassung aus.

Daraxonrasib gehört zur Klasse der RAS-Inhibitoren. Mutationen im RAS-Signalweg, insbesondere KRAS-Mutationen, zählen zu den zentralen molekularen Treibern des Pankreaskarzinoms. Der Wirkstoff bindet an Cyclophilin A und bildet einen Komplex, der die Aktivität von RAS-Proteinen hemmt. Dadurch werden wachstumsfördernde Signalwege unterbrochen, das Tumorwachstum verlangsamt und die Apoptose von Tumorzellen gefördert.

Die Zulassungsempfehlung stützt sich auf die offene, multinationale Phase-III-Studie RASolute 302, an der 500 Patient:innen mit metastasiertem PDAC nach Versagen einer systemischen Vorbehandlung teilnahmen. Bei 92 % der Studienteilnehmer:innen lag eine bestätigte RAS-G12-Mutation vor. Im Vergleich zu einer vom behandelnden Ärzt:in gewählten Chemotherapie zeigte Daraxonrasib einen deutlichen klinischen Vorteil. Das mediane Gesamtüberleben betrug 12,4 Monate gegenüber 6,7 Monaten unter Chemotherapie, während das mediane progressionsfreie Überleben von 3,6 auf 7,2 Monate anstieg. Damit konnte das Gesamtüberleben gegenüber der Vergleichstherapie nahezu verdoppelt werden.

Zu den häufigsten unerwünschten Ereignissen zählten Diarrhö, Hautausschlag, Stomatitis, Übelkeit und Erbrechen. Insgesamt entspricht das Sicherheitsprofil den bekannten Effekten einer RAS-Inhibition.

In den USA ist Daraxonrasib bereits für bestimmte Patient:innen mit metastasiertem PDAC zugelassen. Sollte die Europäische Kommission der CHMP-Empfehlung folgen, könnte erstmals ein breit wirksamer RAS-Inhibitor für vorbehandelte Patient:innen mit metastasiertem Pankreaskarzinom in der EU verfügbar werden. Angesichts der bislang sehr begrenzten Behandlungsmöglichkeiten dürfte dies ein Fortschritt für eine Erkrankung mit nach wie vor schlechter Prognose darstellen.