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Ärzt:in Assistenz 2025

Gonorrhö in Europa: Anstieg resistenter Erregerstämme

In einer neu veröffentlichten Risikobewertung warnt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vor der Ausbreitung Ceftriaxon-resistenter Gonokokken-Stämme in der EU.

Das ECDC analysiert in einer kürzlich veröffentlichten Risikobewertung den Anstieg von Ceftriaxon-resistenten Gonokokken in Europa seit 2022. Grundlage der Bewertung sind Berichte aus elf europäischen Ländern, darunter Österreich und Deutschland, die auf eine zunehmende Verbreitung resistenter Erregerstämme hinweisen.

Gonorrhö zählt weltweit zu den häufigsten bakteriellen sexuell übertragbaren Infektionen (STI). Schätzungen zufolge treten jährlich rund 82 Millionen Infektionen auf. Im Jahr 2024 wurden in den EU-/EWR-Staaten mehr als 106.000 bestätigte Fälle registriert, was den höchsten Stand seit Beginn der europäischen Surveillance im Jahr 2009 darstellt. Gleichzeitig bereitet die zunehmende Verbreitung von Neisseria gonorrhoeae-Stämmen, die gegen Ceftriaxon resistent sind, Fachleuten Sorge. Ceftriaxon gilt derzeit als wichtigste Erstlinientherapie zur Behandlung der Gonorrhö. Das vermehrte Auftreten resistenter Erreger stellt daher eine erhebliche Herausforderung für die zukünftige Behandlungsstrategie dar.

Nach Einschätzung des ECDC bleibt das Risiko einer Infektion mit Ceftriaxon-resistenten Gonokokken für die allgemeine sexuell aktive Bevölkerung in der EU derzeit insgesamt niedrig. Ein erhöhtes Risiko besteht jedoch bei Personen, die ungeschützten Geschlechtsverkehr mit neuen oder gelegentlichen Partnern haben, bei Menschen mit häufig wechselnden Sexualpartner:innen, bei Sexarbeiter:innen sowie deren Kund:innen und bei Reisenden in Regionen mit einer hohen Prävalenz arzneimittelresistenter Gonorrhö-Stämme, insbesondere in Südostasien.

Die klinische Relevanz der Erkrankung bleibt unverändert hoch. Unbehandelt kann eine Gonorrhö zu schwerwiegenden Folgeerkrankungen führen, darunter entzündliche Erkrankungen des kleinen Beckens (Pelvic Inflammatory Disease), Fertilitätsstörungen bis hin zur Unfruchtbarkeit sowie Eileiterschwangerschaften.

Die Prävention einer Gonorrhö-Infektion basiert weiterhin auf bewährten Maßnahmen. Dazu zählen der konsequente und korrekte Einsatz von Kondomen beziehungsweise anderen Barrieremethoden, regelmäßige STI-Testungen, insbesondere bei Personen mit neuen, gelegentlichen oder mehreren Sexualpartner:innen sowie eine zeitnahe diagnostische Abklärung nach möglicher Exposition.

Die aktuellen europäischen Leitlinien empfehlen weiterhin eine Ceftriaxon-basierte Therapie als Standardbehandlung der Gonorrhö. Allerdings hat Neisseria gonorrhoeae in den vergangenen zwei Jahrzehnten wiederholt die Fähigkeit gezeigt, Resistenzen gegen unterschiedliche Antibiotikaklassen zu entwickeln. Betroffen sind unter anderem Penicilline, Fluorchinolone, Makrolide und Cephalosporine der erweiterten Generation. Diese Entwicklung erschwert die effektive Behandlung und Kontrolle der Erkrankung zunehmend.

Zur Risikoeindämmung empfiehlt das ECDC daher:

  • die Fortführung und Ausweitung der Überwachung antimikrobieller Resistenzen bei Gonokokken,
  • die Durchführung von Antibiotika-Empfindlichkeitstests,
  • ein wirksames klinisches Management der Erkrankung sowie
  • gezielte Präventionsmaßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung, einschließlich klarer
  • Informationen zu Safer Sex, regelmäßiger Testangebote für Personen mit neuen oder gelegentlichen Partner:innen
  • und einer raschen Behandlung bei Symptomen oder möglicher Exposition.