Während die LDL-Cholesterinsenkung mit Statinen zur Prävention atherosklerotischer Herz-Kreislauf-Erkrankungen als etabliert gilt, ist die Evidenz für einen Therapiebeginn im höheren Lebensalter bislang begrenzt. Insbesondere bei Menschen ohne manifeste kardiovaskuläre Erkrankung blieb die Frage offen, ob eine Statintherapie jenseits des 70. Lebensjahres neben der Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse auch zu einem längeren behinderungsfreien Überleben führt.
Dieser Fragestellung ging die STAREE-Studie nach. In der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Studie wurden in allgemeinmedizinischen Praxen in Australien 9.971 selbstständig lebende Erwachsene ab 70 Jahren eingeschlossen. Voraussetzung war das Fehlen einer bekannten kardiovaskulären Erkrankung, eines Diabetes mellitus oder einer Demenz.
Die Teilnehmer:innen wurden im Verhältnis 1:1 einer Behandlung mit Atorvastatin 40 mg täglich oder Placebo zugeteilt. Das mittlere Alter betrug 74,7 Jahre, 51,9 % der Teilnehmer:innen waren Frauen. Die mediane Nachbeobachtungszeit lag bei 5,9 Jahren. Als primärer kardiovaskulärer Endpunkt wurde ein kombinierter Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, nicht tödlichem Myokardinfarkt, nicht tödlichem Schlaganfall oder koronarer Revaskularisation definiert. Der zweite primäre Endpunkt erfasste das behinderungsfreie Überleben und setzte sich aus Gesamtmortalität, Demenz oder persistierender körperlicher Behinderung zusammen.
Im Verlauf der Studie trat ein primäres kardiovaskuläres Ereignis bei 297 Teilnehmern:innen der Atorvastatin-Gruppe und bei 412 Teilnehmer:innen der Placebo-Gruppe auf. Dies entsprach Ereignisraten von 10,9 beziehungsweise 15,5 pro 1.000 Personenjahre. Unter Atorvastatin konnte damit das Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse um 30 % reduziert werden. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass ein Beginn der Statintherapie auch im höheren Lebensalter noch einen relevanten präventiven Nutzen hinsichtlich Herzinfarkt, Schlaganfall und anderer schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse bieten kann.
Beim zweiten primären Endpunkt zeigte sich hingegen kein statistisch signifikanter Unterschied. Der kombinierte Endpunkt aus Gesamtmortalität, Demenz oder persistierender körperlicher Behinderung trat bei 637 Teilnehmer:innen unter Atorvastatin und bei 676 Teilnehmer:innen unter Placebo auf. Obwohl die Statintherapie kardiovaskuläre Ereignisse reduzierte, konnte somit keine Verlängerung des behinderungsfreien Überlebens nachgewiesen werden.
Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse waren in beiden Gruppen gleich häufig und traten bei jeweils 2,7 % der Teilnehmer auf. Allerdings wurden muskuloskelettale Beschwerden, hepatobiliäre Nebenwirkungen sowie diabetesassoziierte unerwünschte Ereignisse unter Atorvastatin häufiger beobachtet.
Zum Studienende lagen die LDL-Cholesterinwerte in der Atorvastatin-Gruppe durchschnittlich um 31 mg/dl niedriger als unter Placebo. Die beobachtete Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse entspricht damit den seit Langem bekannten Mechanismen der Statintherapie.
Die Ergebnisse legen nahe, dass auch bei Personen über 70 Jahren ein später Beginn einer Statintherapie zur Primärprävention sinnvoll sein kann. Ob eine Behandlung eingeleitet wird, sollte jedoch stets anhand des individuellen Risikoprofils, bestehender Begleiterkrankungen, der Lebenserwartung sowie der Medikation und Präferenzen der Patientinnen und Patienten entschieden werden.