Hausärzt:in 02/2024

„Wir sollten das Träumen nicht vergessen“

Eine schlafende Frau träumt, dass sie schläft
Das evidenzbasierte evaluierte Schlafcoaching ist ein integrativer Ansatz, bei dem unter anderem die sogenannte Traumarbeit vermittelt wird.
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Die Traum- und Schlafforscherin Mag.a Dr.in Brigitte Holzinger, eine der führenden Expert:innen in der Behandlung von Schlafstörungen und Albträumen, gibt Einblick in die Themen Insomnie, innere Unruhe und Schlafcoaching – auch in Zusammenhang mit der aktuellen Leitlinie, die erst kürzlich revidiert wurde.

Medizinische Expertise
Brigitte Holzinger

Mag.a Dr.in Brigitte Holzinger (Gesundheitspsychologin, Klinische Psychologin, Leitung des Universitätslehrgangs Schlafcoaching an der MedUni Wien, Bewusstseins- und Traumforschung)

HAUSÄRZT:IN: Sie bieten Weiter- und Fortbildungen für Mediziner:innen und Betroffene zum Thema Schlafcoaching an. Mit welchem Ziel?

Dr.in HOLZINGER: Das evidenzbasierte evaluierte Schlafcoaching ist ein integrativer Ansatz, bei dem einerseits die Aspekte der kognitiv-behavioralen Therapie der Insomnie, andererseits Entspannungstechniken und Wissen über den Schlaf sowie die sogenannte Traumarbeit vermittelt werden. Darüber hinaus bietet Schlafcoaching die Gelegenheit, sich mit einer Therapeut:in zu unterhalten und den persönlichen Hintergrund zu reflektieren. Dies entlastet bereits enorm. Auch niedergelassene Ärzt:innen haben durch eine postgraduale Weiterbildung (siehe INFO) die Möglichkeit, als Schlafcoach zu praktizieren. Unsere Ambitionen gelten außerdem der Vernetzung, um gemeinsam mit Hausärzt:innen, Therapeut:innen und Psychiater:innen multidisziplinär an diese Thematik herangehen zu können. Darüber hinaus gibt es an der MedUni Wien den Masterlehrgang Schlafcoaching mit weiterführendem Wissen zum Beispiel über Schlafmedizin und -forschung. Leider ist das Wort Coaching nicht geschützt, deshalb bezeichnen sich manche auch ohne geeignete Fortbildung als Schlafcoach. Ein einfacher Workshop reicht jedoch nicht aus. Beim Schlafcoaching muss man wissen, welche Schlafstörungen es gibt, wie sie diagnostiziert und behandelt werden bzw. in welchen Fällen eine Überweisung erfolgen sollte.