Hausärzt:in 09/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Neue Therapieoption zur LDL-C-Senkung: EU-Zulassung für Obicetrapib

Mit der EU-Zulassung von Obicetrapib kehrt die CETP-Inhibition in die klinische Praxis zurück. Die Zulassung umfasst sowohl die Monotherapie als auch die Fixkombination mit Ezetimib bei primärer Hypercholesterinämie und gemischter Dyslipidämie.

Die Europäische Kommission hat die Marktzulassung für Ubeslo® (Obicetrapib 10 mg) als Monotherapie sowie für Evlarco®, die Fixkombination aus Obicetrapib 10 mg und Ezetimib 10 mg, erteilt. Die Präparate sind für Erwachsene mit primärer Hypercholesterinämie, einschließlich der heterozygot familiären Hypercholesterinämie (HeFH), sowie bei gemischter Dyslipidämie zugelassen.

Mit der Zulassung erhält erstmals ein CETP-Inhibitor der neuen Generation die regulatorische Freigabe. Obicetrapib erweitert damit die therapeutischen Optionen für Patient:innen, bei denen LDL-Cholesterin trotz etablierter lipidsenkender Therapien nicht ausreichend kontrolliert werden kann.

"Die Zulassung von Ubeslo und Evlarco durch die Europäische Kommission stellt einen bedeutenden Meilenstein dar. Es ist die weltweit erste Zulassung von Obicetrapib und bestätigt die langjährige Entwicklung dieser neuen Behandlungsoption für Patient:innen, die ihre empfohlenen LDL-C-Zielwerte trotz bestehender Therapien nicht erreichen", erklärte Michael Davidson, CEO von NewAmsterdam Pharma.

Die Entscheidung der Europäischen Kommission basiert auf einer positiven Empfehlung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur sowie auf den Ergebnissen des klinischen Entwicklungsprogramms mit den Phase-3-Studien BROADWAY, BROOKLYN und TANDEM.

Dabei führte Obicetrapib als Monotherapie zu LDL-C-Reduktionen von bis zu 40 % gegenüber Placebo. In Kombination mit Ezetimib wurden LDL-C-Senkungen von rund 50 % erreicht. Gleichzeitig zeigte sich ein mit Placebo vergleichbares Verträglichkeitsprofil.

Neben der LDL-C-Senkung zeigten klinische Studien günstige Effekte auf weitere lipidassoziierte Risikomarker. So wurden Reduktionen von Apolipoprotein B um etwa 20 bis 30 % sowie von Lipoprotein(a) um bis zu 40 bis 50 % berichtet. Gleichzeitig kam es zu einem deutlichen Anstieg des HDL-Cholesterins. Diese Effekte könnten insbesondere für Patient:innen mit hohem Residualrisiko klinisch relevant sein.

Der Wirkstoff hemmt das Cholesterinester-Transferprotein (CETP), das den Austausch von Cholesterinestern zwischen HDL-Partikeln und ApoB-haltigen Lipoproteinen vermittelt. Frühere CETP-Inhibitoren konnten sich aufgrund von Sicherheitsproblemen oder unzureichender Wirksamkeit nicht etablieren. Obicetrapib wurde gezielt entwickelt, um diese Limitationen zu überwinden, und erreicht laut aktuellen Daten eine sehr starke Hemmung der CETP-Aktivität bei gleichzeitig günstiger Verträglichkeit.

Die Zulassung erfolgt vor dem Hintergrund einer weiterhin unzureichenden LDL-C-Kontrolle vieler Hochrisikopatient:innen. Obwohl Statine, Ezetimib und PCSK9-basierte Therapien verfügbar sind, werden empfohlene LDL-C-Zielwerte in der Praxis häufig nicht erreicht. Insbesondere bei Patient:innen mit manifester atherosklerotischer kardiovaskulärer Erkrankung (ASCVD) besteht daher weiterhin ein relevantes Restrisiko für kardiovaskuläre Ereignisse.

Für diese Patientengruppe könnte eine einmal tägliche orale Therapie wie Obicetrapib eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen, insbesondere wenn LDL-C-Zielwerte unter bestehender Therapie nicht erreicht werden oder intensivere Kombinationstherapien erforderlich sind.

Ob eine LDL-C-Senkung durch Obicetrapib auch mit einer Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse einhergeht, soll die laufende Phase-3-Studie PREVAIL klären. Für die Endpunktstudie wurden mehr als 9.500 Patient:innen randomisiert. Darüber hinaus laufen die Phase-3-Programme REMBRANDT und RUBENS.