Hausärzt:in 02/2024

Anästhesiologie & Intensivmedizin: Ein Berufsbild im Wandel

Anlässlich der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin (23.-25.11.2023) wird die Weiterentwicklung eines Faches rekapituliert. Anhand von „fünf Säulen“ der ÖGARI werden aktuelle und künftige Herausforderungen aufgezeigt.

Heute könne man auf fünf Säulen blicken, die das Fach Anästhesiologie & Intensivmedizin gegenseitig ergänzen und positiv beeinflussen würden, resümiert ÖGARI-Präsident Prim. Assoc.-Prof. Dr. Christoph Hörmann. Dazu zählen die Klinische Anästhesiologie, die Intensivmedizin, die Notfallmedizin, die Schmerzmedizin und die Palliativmedizin.

„Wir werden in der Praxis mit Digitalisierung und Telemedizin konfrontiert, stellen uns aber genauso den ethisch-medizinischen Herausforderungen, so zum Beispiel bei der Umsetzung einer individuellen Patient:innen-Verfügung oder Vorsorgevollmacht im Rahmen eines Intensivaufenthaltes. Auch zum wichtigen Thema, dem Klimaschutz, leistet die ÖGARI mit der neuen Arbeitsgruppe 'Grüne Anästhesie' einen aktuellen wertvollen Beitrag“, gibt der Intensivmediziner weiters einen Einblick im Rahmen der Tagung (AIC Austrian International Congress).

Die Zukunft bringt zudem Chancen: Die Künstliche Intelligenz kommt in den Bereichen Klinische Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerzmedizin unterstützend zum Einsatz. In der Palliativmedizin hilft etwa eine App bei der raschen Beurteilung von Schmerz- und Symptomkontrolle. Für die „Säule“ Notfallmedizin sieht man einen dringenden Reformbedarf, ein verbindlicher Indikationskatalog zum Notarzteinsatz wird gefordert. Prim. Univ.-Prof. Dr. Helmut Trimmel, MSc, Leiter der Sektion Notfallmedizin der ÖGARI schätzt, dass 70 Prozent der aktuell durch Notärzt:innen absolvierten Einsätze durch qualifizierte Rettungs- und Notfallsanitäter:innen übernommen werden könnten.

Insgesamt rückt die Individualisierung in den Vordergrund, zum Beispiel im Bereich der Klinischen Anästhesiologie: „Die Forschung der Pharmakokinetik strebt als nächsten Schritt in naher Zukunft eine pharmakokinetische basierte, bestverträgliche individuelle Anästhesie an. Ein Beispiel ist die Verträglichkeit von beruhigenden Medikamenten, von starken Schmerzmitteln“, erläutert Univ.-Prof. Dr. Burkhard Gustorff, Vorstand der Abteilung für Anästhesie, Intensiv- und Schmerzmedizin der Klinik Ottakring in Wien und Leiter der Sektion Anästhesiologie der ÖGARI. In der Schmerzmedizin rückt vor allem der Gen-Pain-Gap in den Vordergrund. Frauen leiden häufiger unter Schmerzen. Zu diesen zählen „Kopfschmerzen, Migräne und Spannungskopfschmerz, temporomandibuläre Schmerzen, die Fibromyalgie, die rheumatoide Arthritis und das irritable Darmsyndrom“, berichtet die Vizepräsidentin der Sektion Schmerz der ÖGARI Dr.in Waltraud Stromer.

Auch in puncto Nachhaltigkeit werden bereits verschiedene Ansätze verfolgt, um den CO2-Fußabdruck zu reduzieren – beispielsweise beim Anästhesiegasrecycling.

Mehr Infos auf: https://www.oegari.at/