Der Fokus der Konsensusarbeit liegt auf der oligometastatischen Erkrankung, einem Zwischenstadium zwischen lokal begrenztem Tumor und weit fortgeschrittener Metastasierung, das bei vielen Tumorarten auftreten kann. In diesem Setting ist eine kurative Therapie weiterhin möglich. Viele Patient:innen mit vereinzelten Metastasen leben heute über Jahre mit guter Lebensqualität. Metastasen‑gerichtete Therapien (MDT) wie stereotaktisch ablative Radiotherapie (SABR), chirurgische Resektion oder Thermoablation ermöglichen eine hochpräzise lokale Behandlung einzelner Metastasen.
Das Konsensuspapier basiert auf der weltweit größten prospektiven Kohorte zur SABR bei Oligometastasierung (OligoCare; >3.500 Patient:innen). Entsprechend lag ein Schwerpunkt auf der Bewertung hochpräziser Radiotherapieverfahren. Ziel war die Definition valider primärer Endpunkte, die sowohl patient:innenrelevant als auch tumorübergreifend anwendbar sind, insbesondere für Studien, die MDT in Kombination mit medikamentöser Therapien untersuchen.
Neben etablierten Parametern wie Überleben bei guter Lebensqualität wurden zwei neue Endpunkte definiert, die den spezifischen Wirkmechanismus ablativer lokaler Therapien besser abbilden. Sie markieren eine Abkehr vom klassischen progressionsfreien Überleben (PFS), das den Nutzen lokaler Verfahren nur unzureichend erfasst. Die neuen Messgrößen berücksichtigen Faktoren, die für Patient:innen unmittelbar relevant sind, etwa therapiefreie Intervalle und geringe Toxizität.
Im Zentrum stehen:
- STFS (Start or Switch of Systemic Therapy–Free Survival): Zeitraum bis zum Beginn oder Wechsel einer systemischen Therapie.
- pPFS (polymetastatic Progression–Free Survival): Zeit bis zum Übergang in ein polymetastatisches Stadium.
Beide Endpunkte tragen dem klinischen Alltag Rechnung, in dem einzelne Metastasen wiederholt lokal behandelt werden können. Die Autor:innen sprechen von einem Paradigmenwechsel: Die neuen, international abgestimmten Standards sollen den Nutzen lokaler Therapien adäquater erfassen, die Interpretation von Studien erleichtern und die Translation in die klinische Praxis beschleunigen.