Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Spinale Muskelatrophie: neue Gentherapie

Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA hat sich für die Zulassung einer neuen Gentherapie zur Behandlung der spinalen Muskelatrophie ausgesprochen.

Die spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine autosomal‑rezessive neuromuskuläre Erkrankung, die durch das Fehlen eines funktionellen SMN1‑Gens verursacht wird. Der daraus resultierende Mangel an SMN‑Protein führt zu einem progressiven und irreversiblen Verlust von Motoneuronen. Klinisch äußert sich dies in einer zunehmenden Beeinträchtigung der Muskelkraft und ‑funktion, einschließlich Atmung, Schlucken und grundlegender motorischer Fähigkeiten. Die globale Prävalenz wird auf etwa 1 bis 2 Fälle pro 100.000 Menschen geschätzt.

Im Jahr 2020 wurde in Europa mit Onasemnogen‑Abeparvovec erstmals eine Gentherapie zugelassen, die mithilfe eines AAV‑Vektors ein funktionelles SMN1‑Gen in die Zielzellen einschleust und so den zugrunde liegenden Gendefekt adressiert. Die neu entwickelte Variante Onasemnogen‑Abeparvovec‑Brve nutzt denselben Wirkmechanismus, unterscheidet sich jedoch durch die einmalige intrathekale Applikation, während die ursprüngliche Therapie intravenös verabreicht wird. 

Während Onasemnogen‑Abeparvovec nur zur Behandlung von Kindern unter zwei Jahren ist, empfiehlt der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA Onasemnogen‑Abeparvovec‑Brve für Kinder ab zwei Jahren, Jugendliche und Erwachsene mit 5q‑assoziierter SMA und biallelischer SMN1‑Mutation. Grundlage der positiven Bewertung sind unter anderem Daten der Phase‑III‑Studie STEER mit therapienaiven Patient:innen. In dieser zeigte sich nach 52 Wochen eine statistisch signifikante Verbesserung der motorischen Funktion, gemessen an der Hammersmith Functional Motor Scale – Expanded (HFMSE). Unter intrathekaler Gentherapie kam es zu einer Zunahme um 2,39 Punkte gegenüber 0,51 Punkten unter Placebo. In der Phase‑IIIb‑Studie STRENGTH, die bei vorbehandelten Patient:innen durchgeführt wurde, zeigte sich über denselben Zeitraum eine Stabilisierung der motorischen Funktion mit einer LS‑Mean‑Veränderung der HFMSE von 1,05 Punkten.

Zu den am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen zählen Infektionen der oberen Atemwege, Fieber, Erbrechen, Kopfschmerzen sowie erhöhte Leberenzymwerte.