Asthma und COPD zählen zu den häufigsten chronischen Atemwegserkrankungen und stellen weiterhin eine erhebliche gesundheitspolitische Herausforderung dar. Umso entscheidender ist eine Versorgung, die Patient:innen langfristig stabil hält und Exazerbationen vermeidet.
Die aktuelle Umfrage der Österreichischen Lungenunion zeigt ein gemischtes Bild. 43,7 % der Befragten sind mit der medizinischen Gesamtversorgung "sehr zufrieden", weitere 49,2 % "eher zufrieden". Trotz dieser grundsätzlich positiven Einschätzung treten jedoch deutliche Versorgungslücken zutage.
Auffällig ist vor allem die hohe Inanspruchnahme akuter Versorgungsstrukturen. 35 % der Befragten mussten im vergangenen Jahr eine Krankenhausambulanz aufsuchen. Bei COPD‑Patient:innen lag der Anteil stationärer Aufenthalte bei 27,5 %. Diese Zahlen sprechen für eine relevante Krankheitslast und legen nahe, dass viele Patient:innen im niedergelassenen Bereich nicht ausreichend stabilisiert werden.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Wirksamkeit der Dauertherapie. Nur rund ein Drittel der Patient:innen berichtet über eine deutliche Reduktion der Notfallmedikation. Das deutet darauf hin, dass bei einem beträchtlichen Teil die aktuelle Therapie keine ausreichende Symptomkontrolle erreicht.
Deutlich zeigt sich auch eine Verschiebung in Richtung privater Versorgung. 21,7 % der Befragten werden ausschließlich von Wahlärzt:innen betreut, weitere 6,1 % nutzen ein gemischtes Modell. Besonders ausgeprägt ist dieser Trend bei COPD‑Patient:innen, von denen 30 % ausschließlich von Wahlärzt:innen versorgt werden.
Obwohl Shared Decision Making mittlerweile als essenzieller Bestandteil moderner Versorgung gilt, gaben nur 40,8 % der Befragten an, dass sie ausreichend in Therapieentscheidungen eingebunden wurden.
Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Lungenfacharzt, Generalsekretär der Österreichischen Lungenunion, erklärt: "Die Analyse bestätigt frühere Daten: Die Versorgung von Patient:innen mit Asthma oder COPD ist keineswegs optimal und es besteht klarer Verbesserungsbedarf. Viele Betroffene erhalten zwar eine solide Basisbetreuung, dennoch müssen bis zu 35 % eine Spitalsbehandlung in Anspruch nehmen. Dabei spielen Krankheitsstadium, Therapietreue, soziale Faktoren, Umwelteinflüsse sowie Prävention und Früherkennung eine wesentliche Rolle. Wichtig ist aber auch: Verbesserungen können nicht allein von der Ärzteschaft kommen, es braucht ebenso die Bereitschaft der Politik, strukturelle Veränderungen zu ermöglichen."