Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

MS: Erstes Medikament für fortgeschrittene Verläufe

Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) hat empfohlen, Tolebrutinib zur Behandlung von Patient:innen mit sekundär progredienter Multipler Sklerose ohne Schübe zuzulassen. 

Die sekundär progrediente Multiple Sklerose (SPMS) stellt die Weiterentwicklung einer zuvor schubförmig-remittierenden MS (RRMS) dar. Im Verlauf kommt es, unabhängig vom Auftreten weiterer Schübe, zu einer kontinuierlichen Zunahme neurologischer Defizite, typischerweise mit Fatigue, kognitiven Einschränkungen, Gang- und Koordinationsstörungen sowie einem fortschreitenden Verlust der Selbstständigkeit.

Für die nicht‑aktive SPMS steht bislang keine zugelassene krankheitsmodifizierende Therapie zur Verfügung. Bei aktiver SPMS empfehlen die Leitlinien unter anderem den Einsatz von Siponimod oder Beta‑Interferonen.

Tolebrutinib ist ein oral verfügbarer, ZNS‑gängiger Bruton‑Tyrosinkinase‑Inhibitor. Die Zulassungsempfehlung stützt sich auf die Phase‑III‑Studie HERCULES, in die 1131 Patient:innen mit nicht‑schubförmiger SPMS eingeschlossen wurden. Zwei Drittel erhielten einmal täglich Tolebrutinib, ein Drittel Placebo. Primärer Endpunkt war die 6‑Monats‑bestätigte Progression der Behinderung. Unter Placebo zeigte sich bei 30,7 % der Teilnehmenden eine Verschlechterung des Behinderungsgrades, unter Tolebrutinib bei 22,6 %.

Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählten Covid‑19 und Infektionen der oberen Atemwege. Erhöhte Leberwerte traten sehr häufig auf, daher wurden arzneimittelinduzierte Leberschäden (DILI) als relevantes Sicherheitsrisiko eingestuft. Entsprechend wird eine engmaschige Überwachung der Leberfunktion während der Behandlung empfohlen.