Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Morbiditätslücke wächst weltweit

Die Menschen werden älter, doch die gewonnenen Lebensjahre sind oft nicht gesund. Laut einer aktuellen Studie hat sich die Morbiditätslücke seit 1990 in nahezu allen Ländern vergrößert. Die größten Lücken finden sich in wohlhabenden Staaten.

Die Analyse basiert auf Daten der Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study (GBD) 2023 zur Lebenserwartung und gesunden Lebenserwartung (Health-Adjusted Life Expectancy, HALE) in 204 Ländern und Territorien von 1990 bis 2023. Als Morbiditätslücke definierten die Autoren die Differenz zwischen Lebenserwartung und HALE.

Weltweit stieg die Lebenserwartung bei Geburt im Untersuchungszeitraum von 64,6 auf 73,8 Jahre, die gesunde Lebenserwartung jedoch lediglich von 55,9 auf 63,1 Jahre. Die gewonnenen Lebensjahre gingen somit nicht im selben Ausmaß mit zusätzlichen gesunden Lebensjahren einher. Die Autor:innen sehen darin einen Hinweis darauf, dass Menschen heute länger leben, aber auch mehr Zeit mit chronischen Erkrankungen und funktionellen Einschränkungen verbringen. Die COVID-19-Pandemie beeinflusste die Entwicklung von Lebenserwartung und HALE zwar vorübergehend, veränderte den langfristigen Trend jedoch nicht.

Die globale Morbiditätslücke nahm von 8,8 Jahren im Jahr 1990 auf 10,7 Jahre im Jahr 2023 zu. Gleichzeitig stieg der Anteil der in schlechter Gesundheit verbrachten Lebenszeit von 13,6 % auf 14,5 %. Die Zunahme betraf die gesamte Erwachsenenlebensspanne und beschränkte sich nicht auf die letzten Lebensjahre.

Zwischen den Ländern bestanden erhebliche Unterschiede. Die größten Morbiditätslücken fanden sich überwiegend in Staaten mit hoher Lebenserwartung. Im Jahr 2023 lagen die USA mit 14 Jahren an der Spitze, gefolgt von Australien (13,9 Jahre) und Kanada (13,7 Jahre). Für Österreich errechneten die Autoren einen Anstieg von 9,9 Jahren im Jahr 1990 auf 11,9 Jahre im Jahr 2023. Laut Statistik Austria beträgt die aktuelle Lebenserwartung 79,4 Jahre für Männer und 84,1 Jahre für Frauen (2022 bis 2024). Geschlechtsspezifisch zeigte sich, dass Frauen in allen Regionen zwar länger leben als Männer, aber auch mehr Jahre in schlechter Gesundheit verbringen. Die durchschnittliche Morbiditätslücke belief sich 2023 auf 12,1 Jahre bei Frauen und 9,3 Jahre bei Männern.

Mehr als die Hälfte der weltweit in schlechter Gesundheit verbrachten Lebensjahre (57,4 %) war auf eine relativ kleine Gruppe überwiegend nicht tödlicher chronischer Erkrankungen zurückzuführen. Den größten Beitrag leisteten muskuloskelettale Erkrankungen, insbesondere Rückenschmerzen. Es folgten psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen, Erkrankungen der Sinnesorgane einschließlich altersbedingter Hörverlust, Stürze sowie weitere chronische nicht übertragbare Erkrankungen. Als wesentliche modifizierbare Risikofaktoren identifizierten die Autor:innen erhöhte Nüchternplasmaglukosewerte, Adipositas, Mangelernährung bei Müttern und Kindern sowie Tabakkonsum, wobei regionale Unterschiede deutlich ausgeprägt waren.

Aus Sicht der Autor:innen sollten gesundheitspolitische Strategien künftig nicht nur auf eine Verlängerung der Lebenszeit, sondern verstärkt auf die Verlängerung der Gesundheitsspanne abzielen. Erforderlich seien insbesondere Investitionen in Prävention, ein effektives Langzeitmanagement chronischer Erkrankungen sowie eine bedarfsgerechte Versorgung multimorbider Patient:innen.