Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Modifizierbare Risikofaktoren fördern vulnerable Koronarplaques

Eine neue OCT-Studie legt nahe, dass modifizierbare kardiovaskuläre Risikofaktoren nicht nur die Entstehung einer Koronaratherosklerose begünstigen, sondern auch mit besonders vulnerablen Plaqueformen assoziiert sind.

Seit der Framingham Heart Study ist bekannt, dass der Großteil kardiovaskulärer Ereignisse auf vier modifizierbare Risikofaktoren zurückzuführen ist: Hypercholesterinämie, arterielle Hypertonie, Diabetes mellitus und Tabakkonsum. In den vergangenen Jahren wurde Adipositas als fünfter beeinflussbarer Risikofaktor identifiziert. Das Global Cardiovascular Risk Consortium konnte vor drei Jahren zeigen, dass diese Faktoren weltweit weiterhin für mehr als die Hälfte aller vorzeitigen kardiovaskulären Ereignisse sowie für über 20 % der kardiovaskulären Todesfälle verantwortlich sind.

Den meisten Myokardinfarkten liegen vulnerable atherosklerotische Plaques in den Koronararterien zugrunde. Solche Hochrisikoläsionen können mittels optischer Kohärenztomographie (OCT) charakterisiert werden. Thin-cap-Fibroatherome (TCFA) zählen zu den vulnerabelsten atherosklerotischen Plaques. Aufgrund ihrer dünnen fibrösen Kappe besteht ein erhöhtes Risiko für Plaquerupturen mit nachfolgender Thrombusbildung. Thick-cap-Fibroatherome (ThCFA) besitzen hingegen eine dickere fibröse Kappe und werden als stabilere, weniger rupturgefährdete Plaques eingestuft. ThCFA können zwar zu einer luminalen Einengung der Koronararterien führen, verursachen jedoch meist eine Flusslimitation ohne vollständigen Gefäßverschluss. Klinisch kann sich dies als stabile Angina pectoris manifestieren, bei der Beschwerden typischerweise unter Belastung auftreten. Eine höhere klinische Relevanz besteht bei instabiler Angina pectoris mit Beschwerden bereits in Ruhe. Sowohl TCFA als auch ThCFA besitzen häufig einen lipidreichen nekrotischen Kern ("lipid-rich plaques", LRP). Darüber hinaus können Cholesterinkristalle in den Plaques nachgewiesen werden.

Wissenschaftler:innen analysierten 534 OCT-Aufnahmen von 131 Patient:innen. Die Plaquemorphologie wurde mit fünf modifizierbaren Risikofaktoren sowie drei nicht modifizierbaren Risikofaktoren (Alter, männliches Geschlecht und positive Familienanamnese) in Beziehung gesetzt. Die Auswertung bestätigte, dass auch Alter, Geschlecht und genetische Prädisposition mit einem erhöhten Risiko für koronare Atherosklerose assoziiert sind. Dabei fanden sich jedoch überwiegend ThCFA. TCFA traten dagegen ausschließlich in Zusammenhang mit den fünf modifizierbaren Risikofaktoren gehäuft auf.

In der multivariablen Analyse war das Vorliegen modifizierbarer Risikofaktoren mit einer erhöhten Inzidenz vulnerabler Plaques assoziiert (IRR 1,36). Zudem war die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von TCFA erhöht (IRR 1,48). Darüber hinaus fanden sich häufiger lipidreiche Plaques (IRR 1,35) sowie Cholesterinkristalle (IRR 1,50).

Auch wenn bislang nicht zuverlässig vorhergesagt werden kann, ob und wann eine vulnerable Plaque rupturiert und in der Folge ein akutes Koronarsyndrom oder ein Myokardinfarkt auftritt, stützen die Ergebnisse die Erkenntnisse epidemiologischer Studien. Nach Ansicht der Autor:innen unterstreichen sie die zentrale Bedeutung der Prävention und konsequenten Behandlung modifizierbarer kardiovaskulärer Risikofaktoren.