Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Mammografie liefert Hinweise auf Herz‑Kreislauf‑Risiko

Eine neue Studie zeigt, dass KI‑Systeme Verkalkungen der Brustarterien in Mammografien erkennen können, ein Befund, der weit über die Brustkrebsfrüherkennung hinausgeht. Die in der Mammografie sichtbaren Brustarterienverkalkungen korrelieren mit dem Risiko für schwere Herz‑Kreislauf‑Ereignisse.

In vielen Ländern, in Österreich ab dem 40. Lebensjahr, können Frauen regelmäßig an der Mammografie zur Brustkrebsfrüherkennung teilnehmen. Auf diesen Aufnahmen sind neben dem Drüsengewebe häufig auch Verkalkungen im Verlauf der Brustarterien sichtbar. Diese gelten als Marker einer systemischen Atherosklerose und damit als potenzieller Hinweis auf ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko.

Bereits frühere Arbeiten deuteten auf diesen Zusammenhang hin. Ein US‑Forschungsteam hat nun eine KI entwickelt, die diese Verkalkungen automatisiert quantifiziert, angelehnt an den bekannten Agatston‑Score aus der kardialen CT.

Die Analyse zweier großer Mammografie‑Kohorten (Emory Healthcare und Mayo Clinic; insgesamt 123.762 Frauen) zeigt, dass die KI‑basierte Auswertung der Brustarterienverkalkungen eine gute Vorhersage schwerer Herz‑Kreislauf‑Ereignisse ermöglicht, darunter Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder kardiovaskulärer Tod, über einen medianen Zeitraum von sieben Jahren nach der Mammografie.

Die Ergebnisse sind klinisch relevant:

  • Leichte Verkalkung (0–10 mm²) → ca. 30 % höheres MACE‑Risiko
  • >25 mm² Verkalkung → etwa dreifach erhöhtes Risiko
  • +1 mm² Kalk → 2–3 % Risikoanstieg

Diese Zusammenhänge blieben bestehen, obwohl der PREVENT‑Score der American Heart Association bereits berücksichtigt wurde. Dieser Score schätzt das 10‑Jahres‑Risiko anhand klassischer Faktoren wie Alter, BMI, eGFR, HDL, Diabetes, Blutdrucktherapie und Rauchen.

Die Autor:innen betonen, dass der Brustarterien‑Kalk mit geringem Zusatzaufwand aus digitalen Mammografien berechnet werden kann und die Risikostratifizierung von Frauen deutlich verbessern könnte. Mammografien würden damit zu einem zusätzlichen Hinweisgeber für eine intensivere Prävention und Behandlung kardiovaskulärer Risikofaktoren.