Hausärzt:in 04/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

24. April ist Welthormontag

Die Österreichischen Gesellschaft für Endokrinologie und Stoffwechsel (ÖGES) und Österreichischen Diabetesgesellschaft (ÖDG) nehmen den Welthormontag als Anlass, auf die wachsenden Herausforderungen im Fach Endokrinologie und Diabetologie hinzuweisen. 

Das Fach umfasst häufige Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Osteoporose, Schilddrüsen‑ und Fettstoffwechselstörungen sowie seltenere Krankheitsbilder der Hypophyse, Nebennieren, Keimdrüsen und genetische Syndrome.

Derzeit stehen österreichweit nur 310 Fachärzt:innen für Endokrinologie und Diabetologie zur Verfügung, etwa die Hälfte im niedergelassenen Bereich. 30 % sind über 60 Jahre alt und werden in absehbarer Zeit pensioniert. Laut ÖGES wären jedoch mindestens 400 Fachärzt:innen notwendig, um den Bedarf zu decken. Trotz hoher Nachfrage schließen jährlich nur 15 Ärzt:innen ihre Ausbildung ab, zu wenig, um Pensionierungen zu kompensieren. Rund ein Drittel der Ausbildungsstellen bleibt unbesetzt, meist aus finanziellen oder strukturellen Gründen.

Der Betreuungsbedarf ist aber hoch. Rund 800.000 Menschen in Österreich leben mit Diabetes mellitus. Die etwa 30.000 Patient:innen mit Typ‑1‑Diabetes benötigen mindestens zwei fachärztliche Kontrollen pro Jahr, und rund 8.000 Schwangere mit Gestationsdiabetes müssen engmaschig betreut werden. Von den über 700.000 Menschen mit Typ‑2‑Diabetes weist etwa ein Drittel Folgeerkrankungen auf. Laut dem Laut Diabetes-Management-Program "Therapie Aktiv" sollten diese Patient:innen zumindest einmal jährlich fachärztlich kontrolliert werden, doch aktuell werden nur rund 100.000 Betroffene im strukturierten Programm betreut. Nahezu 30 % der Krankenhauspatient:innen haben Diabetes, Spitäler mit diabetologischer Expertise zeigen niedrigere Mortalität, weshalb in allen rund 150 Akutspitälern entsprechende Fachkompetenz notwendig wäre.

Auch Schilddrüsenerkrankungen sind in Österreich weit verbreitet. Bis zu 50 % der Erwachsenen entwickeln im Laufe des Lebens Schilddrüsenknoten, jährlich werden etwa 10.000 Schilddrüsenoperationen durchgeführt. Funktionsstörungen betreffen bis zu 10 % der Bevölkerung. Für die strukturierte Abklärung von Knoten, inklusive Feinnadelpunktionen, sind rund 100.000 fachärztliche Kontakte pro Jahr erforderlich. Eine manifeste Hyperthyreose betrifft etwa 63.000 Menschen und erfordert regelmäßige Kontrollen. Zudem nehmen Schilddrüsenfunktionsstörungen als Nebenwirkung moderner onkologischer Therapien zu.

Seltene endokrinologische Erkrankungen tragen ebenfalls erheblich zum Versorgungsbedarf bei. Hypophysentumoren weisen international eine Prävalenz von etwa 1.000 pro Million Einwohner auf, was für Österreich mehr als 10.000 jährliche Fachkonsultationen bedeutet. Hinzu kommt eine wachsende Zahl an Patient:innen mit Hypophyseninsuffizienz nach Operationen, Bestrahlungen oder Immuntherapien. Nebenniereninzidentalome werden bei über 2 % der Bevölkerung entdeckt und müssen endokrinologisch abgeklärt werden; hormonaktive Tumoren erfordern teils lebenslange Kontrollen. Weitere relevante Krankheitsbilder wie Adipositas, Osteoporose sowie komplexe Keimdrüsen‑ und Lipidstoffwechselstörungen verstärken den Bedarf zusätzlich.

In Summe ergibt sich ein konservativ geschätzter Bedarf von rund 600.000 endokrinologischen und diabetologischen Konsultationen pro Jahr, ohne Adipositas, Osteoporose oder seltene Stoffwechselerkrankungen. Mit steigender Adipositasrate und einer alternden Bevölkerung wird der Bedarf weiter wachsen. Bereits heute übersteigt er die verfügbaren Ressourcen deutlich.