Hausärzt:in 6/2026
Ärzt:in Assistenz 2025

Hautkrebs: ÖGDV plädiert für eine risikobasierte, gezielte Vorsorge

Die Österreichische Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie (ÖGDV) präsentierte kürzlich ein Expertenkonsensus zur Hautkrebsfrüherkennung. Ein jährliches Ganzkörper-Screening für alle Erwachsenen sei "wissenschaftlich nicht automatisch die beste Lösung". Entscheidend sei, wer nachweislich von welcher Untersuchung in welchem Intervall profitiert.

"Ziel ist nicht weniger Vorsorge, sondern eine gezieltere, qualitätsgesicherte und evidenzbasierte Früherkennung", erklärt Erstautor Peter Kölblinger, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Melanom und dermatologische Onkologie der ÖGDV. Der Expertenkonzensus stellt die erste bundesweite fachliche Grundlage in diesem Medizinbereich dar. In Österreich gab es bisher weder ein nationales Hautkrebs-Screening-Programm noch einheitliche Empfehlungen zur Früherkennung.

"Die wichtigste Vorsorge beginnt viel früher: beim Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung und bei der Aufmerksamkeit für Veränderungen der eigenen Haut", betont ÖGDV-Vizepräsident Franz Trautinger. Laut Konsensus werden regelmäßige Selbst- oder Partneruntersuchungen der Haut empfohlen. Bemerkt man neue, wachsende, blutende, juckende oder auffällige Hautveränderungen, soll man rasch ärztliche Abklärung suchen. Zudem schlägt die ÖGDV eine ärztliche Basisuntersuchung ab 18 Jahren vor, um das Melanomrisiko einzuschätzen. Ist das Risikoprofil unauffällig, stehen danach Selbstkontrollen und ärztliche Abklärung bei konkreten Auffälligkeiten im Vordergrund. Das Hautkrebsrisiko steigt mit zunehmendem Alter. Eine erneute ärztliche Untersuchung der Haut mit Re-Evaluierung des Risikoprofils soll deshalb zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr erfolgen. Personen mit erhöhtem Risiko sollen regelmäßig – alle ein bis zwei Jahre – hautfachärztlich kontrolliert werden. "Risikobasiert bedeutet nicht weniger Medizin. Es bedeutet die richtige Medizin für die richtigen Menschen zur richtigen Zeit", hält Manfred Fiebiger fest, Fachgruppenobmann Dermatologie der ÖGDV. 

Bevölkerungsweites Screening sei auch international nicht der Regelfall. In vielen Gesundheitssystemen sei der Zugang zu Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen gar nicht geregelt oder nach Risikogruppen organisiert. Eine Ausnahme in Europa sei Deutschland: Dort können gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre ein Screening in Anspruch nehmen. Eine neue Studie von Expert:innen des Epidemiologischen Krebsregisters Niedersachsen und der Universität Lübeck ergab kürzlich jedoch, dass das derzeitige deutsche Hautkrebs-Screening-Programm nicht den erhofften Nutzen bringt – es konnte in der Studie kein Vorteil hinsichtlich der Melanomsterblichkeit nachgewiesen werden. Die Sterblichkeit sei dort zwischen 2009 und 2022 sogar etwas geringer gesunken als in neun Nachbarländern. Eine Abschaffung des deutschen Programms wird nun überlegt. 

Für Österreich sieht die ÖGDV die Chance auf einen klugen Mittelweg: "Prävention für alle, Aufmerksamkeit für auffällige Veränderungen und gezielte Früherkennung für Menschen mit erhöhtem Risiko." Dermatolog:innen, Allgemeinmediziner:innen, Sozialversicherung, Ministerium, Ärztekammer, Krebshilfe und Patient:innenvertretungen sollen gemeinsam an einem bundesweiten Modell arbeiten.