Hausärzt:in 10/2026
Ärzt:in Assistenz 2026

Frühmanifester Typ-2-Diabetes: Remission durch Lebensstiltherapie?

Eine niedrigkalorische Ernährung kombiniert mit Kraft- und Ausdauertraining ermöglichte bei Menschen mit früh manifestem Typ-2-Diabetes signifikant höhere Remissionsraten als die Standardbehandlung.

Auf dem Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Mailand wurden Ergebnisse der randomisiert-kontrollierten Studie RESET for Remission vorgestellt. Die Untersuchung zeigt, dass bei Menschen mit früh manifestem Typ-2-Diabetes durch die Kombination einer niedrigkalorischen Ernährung mit einem strukturierten Bewegungsprogramm hohe Remissionsraten erzielt werden können.

Für die offene, endpunktverblindete Studie wurden an einem britischen und zwei kanadischen Diabeteszentren insgesamt 96 Erwachsene im Alter von 18 bis 45 Jahren mit Adipositas und früh auftretendem Typ-2-Diabetes rekrutiert. Personen unter Insulintherapie waren ausgeschlossen. Das durchschnittliche Alter betrug 38 Jahre, der mittlere Body-Mass-Index (BMI) 35,2 kg/m2. 86 Teilnehmer:innen (90 %) absolvierten die abschließende Untersuchung.

Die Interventionsgruppe erhielt über zwölf Wochen eine teilweise auf Mahlzeitenersatzprodukten basierende niedrigkalorische Ernährung mit 800 bis 900 kcal täglich. Ergänzt wurde diese durch zweimal wöchentlich angeleitete Trainingseinheiten mit einem ausgewogenen Anteil an Kraft- und Ausdauertraining sowie eine zusätzliche eigenständig durchgeführte aerobe Ausdauereinheit pro Woche. In den Wochen 13 bis 24 erfolgte unter ernährungsmedizinischer Begleitung die schrittweise Umstellung auf eine gewichtserhaltende Ernährung. Das körperliche Training wurde in Eigenverantwortung fortgeführt. Die Kontrollgruppe erhielt die übliche Standardtherapie.

Primärer Endpunkt war die Diabetesremission nach 24 Wochen. Diese wurde definiert als ein HbA1c-Wert unter 6,5 % ohne antihyperglykämische Medikation über mindestens zwölf Wochen. Dieses Ziel erreichten 54 % der Teilnehmer:innen in der Interventionsgruppe gegenüber lediglich 4 % in der Kontrollgruppe. Darüber hinaus zeigte sich ein deutlicher Effekt auf das Körpergewicht. Nach 24 Wochen hatten die Teilnehmenr:innen der Lebensstilintervention durchschnittlich 8,4 kg abgenommen, verglichen mit 1,2 kg in der Kontrollgruppe. Mittels Dual-Energy-X-ray-Absorptiometrie (DXA) wurde zudem ein um durchschnittlich 17 % größerer Verlust an Fettmasse nachgewiesen.

Die MRT-Analysen bestätigten ausgeprägtere Reduktionen des viszeralen abdominalen Fettgewebes sowie des Fettanteils in den Oberschenkeln. Gleichzeitig blieb die fettfreie Körpermasse weitgehend erhalten. Auch beim Muskelvolumen fanden sich keine Unterschiede gegenüber der Kontrollgruppe. Allerdings reduzierte die Intervention sowohl die intra- als auch die intermuskuläre Fettinfiltration (Myosteatose) und führte zu einer Verbesserung der Handgreifkraft.

Für die klinische Praxis besonders relevant ist, dass keine schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse beobachtet wurden. Zwar berichteten die meisten Teilnehmer:innen der Interventionsgruppe über mindestens eine Nebenwirkung, dabei handelte es sich jedoch überwiegend um bekannte und vorübergehende Begleiterscheinungen der niedrigkalorischen Diät wie Verstopfung, Kopfschmerzen, Schwindel oder Müdigkeit.

Nach Einschätzung der Studienautor:innen liegen die erzielten Remissionsraten am oberen Ende dessen, was bislang in vergleichbaren Interventionsstudien berichtet wurde. Die Ergebnisse sprechen dafür, dass die Kombination aus Kalorienrestriktion und strukturiertem Training nicht nur die Wahrscheinlichkeit einer Diabetesremission erhöht, sondern gleichzeitig den Erhalt der Muskelmasse unterstützt.