Hausärzt:in 06/2024

Med Uni Innsbruck: Ruhende Herzmuskelzellen aufgeweckt

Eine langjährige Forschungsarbeit an der Univ.-Klinik für Herzchirurgie an der Med Uni Innsbruck zeigt, dass eine Stoßwellentherapie bei gleichzeitiger Bypass-Operation inaktive Herzmuskelzellen wiederbelebt, neue Blutgefäße entstehen und sich die Pumpleistung des Herzens maßgeblich verbessert.

Wenn gleichzeitig mit der Bypass-Operation eine Stoßwellentherapie am offenen Herzen durchgeführt wird, verbessert sich das Leben von Patient:innen mit chronischer Herzmuskelschwäche wortwörtlich schlagartig. "Erstmals ist es damit möglich, den Herzmuskel substantiell und anhaltend zu verbessern", betont Univ.-Prof. Dr. Michael Grimm, Direktor der Univ.-Klinik für Herzchirurgie in Innsbruck. Viele Jahre lang hat ein großes Team unter der Leitung von Priv.-Doz. Dr. Johannes Holfeld an der Med Uni Innsbruck an der Methode zur Behandlung von ischämischer Kardiomyopathie geforscht.

Betroffene leiden unter Kurzatmigkeit und einer insgesamt eingeschränkten körperlichen Leistungsfähigkeit, die zu einer verminderten Lebensqualität führt. Herzmuskelzellen gingen infolge eines oder mehrerer Herzinfarkte zugrunde und ließen Narben zurück. Die Herzmuskelzellen im Randbereich des geschädigten Gewebes fallen bei einem Herzinfarkt jedoch in eine Art Winterschlaf (engl. hibernating myocardium) und stellen ihre Aktivität ruhend. Dadurch ist ein Teil des Herzmuskels chronisch mit Blut unterversorgt. Mit der Bypass-Operation kann lediglich die verbliebene Pumpleistung erhalten, allerdings nicht wieder verbessert werden. Den Forscher:innen ist es nun gelungen, diese Zellen mit Stoßwellentherapie als Ergänzung zur Bypass-Operation wieder aufzuwecken und die Pumpleistung des Herzens damit nachhaltig zu verbessern. 

In der klinisch randomisierten CAST-HF Studie wurden 65 Patient:innen per Zufallsgenerator zwei Gruppen zugeordnet– die Hälfte der Patient:innen erhielt die standardisierte Bypass-Operation, die zweite Gruppe die Kombination Bypass und Stoßwellen. Die Behandlung mit Stoßwellen hat sich dabei als so effektiv herausgestellt, dass sie wegen des großen Erfolgs in Übereinkommen mit der Ethikkommission vorzeitig beendet werden konnte. "Die Effekte waren noch deutlicher als wir erwartet hatten und so konnten wir schon zu einem frühen Zeitpunkt die signifikante Verbesserung des Herzmuskels nachweisen", erklärt Holfeld. Mittlerweile liegen bereits Langzeitergebnisse, der ersten, vor vier Jahren im Rahmen der Studie mit der Kombination Bypass und Stoßwellen behandelten Patient:innen vor. "Wir sehen, dass der Effekt stabil bleibt. Das Herz erholt sich und bleibt dann fit", so Grimm.

Zur Entwicklung und Produktion des Geräts wurde das Spin-off Unternehmen Heart Regeneration Technologies GmbH gegründet, das auch in Innsbruck angesiedelt ist. Holfeld geht davon aus, dass das Stoßwellengerät für die direkte Anwendung am Herzen Anfang 2025 auf den Markt kommen wird. 

Die Ergebnisse der Studie wurden im "European Heart Journal" publiziert.

Johannes Holfeld et al. (2024). Cardiac shockwave therapy in addition to coronary bypass surgery improves myocardial function in ischaemic heart failure: the CAST-HF trial. European Heart Journal. https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehae341